Thera­peu­ti­sche Hyper­t­hemie: Formen und Anwendungsgebiete

Wenn Hitze Krank­heiten positiv beeinflusst

Hyper­thermie ist ein aus dem grie­chi­schen stam­men­der Begriff, der auf Deutsch etwa so viel wie Über­wärmung bedeutet. Schon vor hunderten von Jahren haben Ärzte beob­achtet, dass eine Erhö­hung der Körper­temperatur sich positiv auf die Heilung vieler Krank­heiten auswirkte und ange­fangen, Hyper­thermie thera­peu­tisch einzu­setzen. Einige der ältesten über­lie­ferten Texte über Ayur­veda (Sans­krit: „Wissen vom Leben“), der Heil­kunde aus dem alten Indien, enthalten bereits ausführ­liche Abhand­lungen über dieses Thema 1. Auch aus der Zeit des römi­schen Reiches ist über­lie­fert, dass Hyper­thermie sowohl zur Behand­lung von Krank­heiten 2 als auch für andere Zwecke 3 einge­setzt wurde. Dem grie­chi­schen Philo­soph und Arzt Parmen­ides (um 520 – 455 v. Chr.) wird die Aussage zugeschrieben:

Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen und ich heile jede Krankheit.

 

Fieber und Hyper­thermie, ähnlich und doch verschieden

Was unter­scheidet Fieber, wie wir es alle kennen, von thera­peu­ti­scher Hyper­thermie? Über die Jahr­millio­nen unserer Evolu­tion hinweg haben sich die unseren Körper befal­lenden Krank­heiten an dessen Eigen­heiten ange­passt. Zellen – darunter auch Krebs­zellen – vermehren sich am besten bei der normalen Körper­tem­pe­ratur von 37 °C. Auch viele Krank­heits­erreger sind bei unserer normalen Körper­temperatur am aktivsten. Fieber ist ein natür­li­cher Abwehr­mechanismus des Körpers und einige Studien belegen, dass gerade bei schweren Infekten fieber­sen­kende Medi­kamente sogar einen nega­tiven Einfluss auf die Überlebens­chancen haben können. 4 Die Erhö­hung der Körper­tem­pe­ratur bei Fieber ist nicht zufällig, sondern entsteht durch eine Verstel­lung der Soll­tem­pe­ratur im Hypo­tha­lamus, der für diese Regu­la­tion zustän­digen Schalt­zen­trale in unserem Gehirn. 5 Der bekannte Schüt­tel­frost bei hohem Fieber ist zum Beispiel der Versuch des Körpers, durch Akti­vieren der Muskeln Wärme zu erzeugen und so die Körper­tem­pe­ratur auf die hoch­ge­setzte Soll­tem­pe­ratur zu bringen.

Im Gegen­satz dazu ist bei der Hyper­thermie, die nicht mit Fieber verbunden ist, die Soll­tem­pe­ratur unver­ändert und der Körper setzt seine vorhan­denen Regulations­möglichkeiten ein, um die erhöhte Tempe­ratur zu senken. Bei Hyper­thermie muss man zwischen uner­wünschten Formen, die zum Teil sogar gefähr­lich sein können und der gewünschten, thera­peu­ti­schen Hyper­thermie unter­scheiden. Eine gefähr­liche Form ist zum Beispiel der Hitz­schlag, der durch Aufent­halt in einer zu heißen Umge­bung entstehen kann, wenn gleich­zeitig die Kühlung durch das natür­liche Schwitzen nicht ausrei­chend funk­tio­niert. Auch bestimmte Medi­ka­mente und Drogen, zum Beispiel MDMA, besser bekannt als Ecstasy, können eine gefähr­liche Hyper­thermie hervorrufen.

Bei der thera­peu­ti­schen Hyper­thermie versucht man, durch künst­liche Erwär­mung des Körpers die posi­tiven Wirkungen des Fiebers in einem kon­trol­lierten und zu simu­lieren, dies jedoch in einem kon­trollierten und daher unge­fähr­li­chen Rahmen. Wenn dies thera­peu­tisch sinn­voll ist, dann kann die Wärme­be­hand­lung auch auf einzelne kleine Bereiche beschränkt werden, wie zum Beispiel bei einem schmerzen­den Gelenk oder zur Verbes­se­rung der Wundheilung.

Sauna als Form von Hyperthermie

Der Besuch einer Sauna ist auch eine Form von Hyper­thermie, denn durch die hohen Tempera­turen wird der Körper aufge­heizt und durch die gleich­zeitig vorherr­schende hohe Luft­feuch­tig­keit das Schwitzen als Mittel zur Kühlung unwirksam gemacht, so dass die Körper­tem­pe­ratur entspre­chend ansteigt. Wissen­schaft­lich belegt sind unter anderem posi­tive Effekte bei Herz-Kreis­lauf­er­kran­­kungen. 6

Wirkung und Formen der Hyperthermiebehandlung

Thera­peu­tisch wird Hyper­thermie heute meis­tens mittels Wärme­strah­lung (Infrarot-A-Strah­­lung) erzeugt. Dabei wird der Körper infra­roter Strah­lung ausge­setzt, die in die Haut eindringt und in etwa auf Höhe der ober­flä­chen­nahen Blut­ge­fäße eine Erwär­mung erzeugt. Durch das Blut wird die Wärme dann in den Körper trans­por­tiert und dort verteilt. Hierzu wird Infra­rot­strah­lung mit einer Wellen­länge zwi­schen 760 und 1400 Nano­meter (1 Nano­meter ist der Milli­onste Teil eines Milli­me­ters) einge­setzt, also nicht weit entfernt, sondern sogar in teil­weiser Über­schnei­dung mit dem lang­wel­ligen, roten Anteil des sicht­baren Lichts, dessen Spek­trum von rund 400 bis 780 Nano­meter reicht. Anders als bei der soge­nannten ioni­sie­renden Strah­lung (zum Beispiel Rönt­gen­strah­lung), hat Infrarot­strahlung keinen nega­tiven Einfluss auf unser Erbgut.

Ganz­kör­per­hy­per­thermie

Bei der thera­peu­ti­schen Hyper­thermie unter­scheidet man verschie­dene Formen. Bei der Ganzkörper­hyperthermie wird der gesamte Körper erwärmt. Die Band­breite reicht dabei entspre­chend der Eintei­lung der Deut­schen Gesell­schaft für Hyper­thermie e. V. 7 von der soge­nannten Milden Ganzkörperhyper­thermie, bei der die rektal gemes­sene Tempe­ratur 38,5° C nicht über­schreiten sollte, über die Mode­rate Ganz­kör­per­hy­per­thermie mit einem Temperatur­bereich bis 40,5° C bis hin zur Extremen Ganz­kör­per­hy­per­thermie, bei der diese Grenze noch über­schritten wird. Letz­tere sollte aufgrund der extremen Belas­tung für den Körper nur unter inten­siver und konti­nu­ier­li­cher ärzt­li­cher Über­wa­chung durch­geführt werden und ist auch nur für wenige, genau defi­nierte Anwen­dungs­fälle in der Krebs­therapie und bei chro­ni­schen Infek­tionen geeignet. Milde und mode­rate Ganzkörper­hyper­thermie bieten jedoch eine Viel­zahl von Anwendungs­möglichkeiten, die diesen Beschrän­kungen nicht unterliegen.

Regio­nale Hyperthermie

Im Gegen­satz zur Ganz­kör­per­hy­per­thermie wird bei der lokalen, regional begrenzten Hyper­thermie­behandlung nicht der ganze Körper erwärmt, sondern nur ein kleiner Teil, zum Beispiel ein Gelenk oder eine Wunde. Dabei sind auch höhere Tempe­ra­turen jenseits der oben erwähnten Grenzen möglich, da durch die regio­nale Begren­zung die Belas­tung für den Gesamt­or­ga­nismus vergleichs­weise gering bleibt.

Abgren­zung zwischen Hyper­thermie und Infrarotbestrahlung

Durch die Wärme­strah­lung als Mittel zur Erhö­hung der Tempe­ratur ist es wissen­schaft­lich manchmal nicht eindeutig, ob ein beob­ach­teter Effekt der direkten Infra­rot­strah­lung oder der dadurch hervor­ge­ru­fenen Tempe­ra­tur­er­hö­hung zuzu­schrei­ben ist. Für den Pati­enten ist dies letzt­lich eine rein akade­mi­sche Diskus­sion ohne Belang, solange er von der Anwen­dung profitiert.

Inzwi­schen konnte auch wissen­schaft­lich in vielen Berei­chen ein posi­tiver Effekt der thera­peu­ti­schen Hyper­thermie bezie­hungs­weise der Behand­lung mit Infra­rot­be­strah­lung nach­ge­wiesen werden. Hierzu gehören unter anderem Blut­hoch­druck (Hyper­tonie) 8, Sklero­dermie 8 9, Spon­dy­l­ar­thritis 10, verbes­serte Wund­heilung 11 und verschie­dene Schmerz­erkrankungen, ein­schließ­lich des Fibro­myalgie­­syndroms 12.

Hyper­thermie bietet viel­fäl­tige Anwendungsmöglichkeiten

Blut­hoch­druck (Hyper­tonie)

In einer als Disser­ta­tion veröf­fent­lichten, inzwi­schen schon älteren Studie der Humboldt-Univer­­­sität Berlin 13 konnte eine deut­liche Senkung des Blut­drucks bei einer großen Mehr­zahl von  Pati­enten mit Blut­hoch­druck nach­ge­wiesen werden, die mit milder Hyper­thermie behan­delt wurden. Diese Wirkung trat teil­weise bereits nach der ersten Behand­lung ein, die Mehr­zahl benö­tigte jedoch mehrere Sitzungen. Der posi­tive Effekt war bei der großen Mehr­heit der Pati­enten auch mehrere Wochen nach Ende der Behand­lungen noch nach­weisbar. Nach Ende der Therapie kam es länger­fristig zu einem leichten Wieder­an­steigen des Blut­drucks, jedoch blieb dieser insge­samt tiefer als vor der Behand­lung. Bei circa 12 % der unter­suchten Pati­enten konnte weder in der ersten Behand­lung noch bei den Folge­ter­minen eine statis­tisch signi­fi­kante Senkung des Blut­drucks nach­ge­wiesen werden.

Wissen­schaftler, die sich mit dieser Thematik ein­gehend beschäf­tigt haben, vermuten, dass die Hyper­thermiebehandlung eine Erwei­te­rung der Blut­ge­fäße bewirkt und eine Art Trai­nings­ef­fekt auf diese und das Zentrum zur Tempe­ra­tur­re­gu­la­tion im Hypo­tha­lamus hat. Zusätz­lich beob­ach­teten sie, dass es dem Körper im Verlauf der Behand­lungs­serie zuneh­mend besser gelang, die Gefäße weit­zu­stellen und Körper­wärme besser abzu­geben. In nach­fol­genden Behand­lungs­ein­heiten nahm die erreichte Körper­temperatur trotz glei­cher zuge­führter Bestrahlungs­­­wärme gegen­über der ersten Behandlungs­einheit daher ab. 8

Eine gewisse Regel­mä­ßig­keit der Therapie und gege­be­nen­falls auch ein „Probe­lauf“, ob im indi­vi­du­ellen Fall ein posi­tiver Effekt erzielbar ist, erscheint daher sinn­voll. 8

Eine Meta­ana­lyse der veröf­fent­lichten Lite­ratur zur Wirkung von Infra­rot­be­strah­lung auf Risi­ko­fak­toren des Herz-Kreis­lauf­­sys­­tems fand eine nur begrenzte Anzahl an Forschungs­ar­beiten zu diesem Thema, die jedoch posi­tive Effekte auf den Blut­druck und auf eine bestehende Herz­in­suf­fi­zienz darlegen konnten. 14 Ob Ganzkörper­hyper­thermie genauso wirksam ist, wie eine Verän­de­rung des Lebens­stils mit gesunder Ernäh­rung und körper­li­cher Akti­vität, vermag auf Basis der vorlie­genden Daten vermut­lich niemand zu sagen. Sie als zusätz­li­ches Element im Sinne einer kombi­nierten Inter­ven­ti­ons­stra­tegie zu nutzen, erscheint jedoch allemal sinnvoll.

Hyper­thermie bei Depression?

Eine Studie aus den Verei­nigten Staaten aus dem Jahr 2016 hat posi­tive Effekte einer milden Hyper­thermiebehandlung bei schweren Depres­sionen gefunden. 15 Gerade im Hinblick darauf, dass die zur Verfü­gung stehenden medi­ka­men­tösen Behand­lungen bei schwerer Depres­sion noch immer nicht optimal und viel­fach mit uner­wünschten Neben­wirkungen behaftet sind, erscheint die thera­peu­ti­sche Hyper­thermie eine inter­es­sante Ergän­zung der Thera­pie­op­tionen darzu­stellen. Letzt­lich unklar in der Studie blieb jedoch, ob die erzielten Erfolge nicht durch andere, mit der Therapie in Verbin­dung stehende Effekte (z. B. inten­si­vere Beschäf­ti­gung mit den Pati­enten etc.) zu erklären wären. Die Berliner Charité führt daher aktuell zu dieser Frage­stellung eine weitere Studie mit ganz ähnli­chen Ansätzen durch, will jedoch deut­lich mehr Pati­enten unter­su­chen und so zu aussa­ge­kräf­ti­geren Ergeb­nissen kommen. 16 Zum Zeit­punkt der Publi­ka­tion dieses Arti­kels liegen die Ergeb­nisse dieser Studie leider noch nicht vor.

Die Wirk­sam­keit von Licht­the­rapie bei saiso­naler Depres­sion ist seit Jahr­zehnten bekannt 17 und immer mehr Studien belegen auch eine posi­tive Wirkung  bei nicht-saiso­­naler Depres­sion. 18 Eine posi­tive Wirkung inten­sive Infrarot-A-Bestrah­­lung, wie sie bei der milden Ganz­kör­per­hy­per­thermie zum Einsatz kommt, erscheint vor diesem Hinter­grund durchaus plau­sibel. Solange man diese als Ergän­zung und nicht als allei­nige Alter­na­tive zur konven­tionellen Therapie einsetzt, ist mit nega­tiven Konse­quenzen kaum zu rechnen.

Hyper­­thermie-Einsatz bei Spondyloarthritis

Bei den Erkran­kungen aus der Gruppe der Spon­dy­loar­thritiden handelt es sich um entzünd­liche Erkran­kungen im Bereich der Gelenke der Wirbel­säule und der Ilio­sa­kral­ge­lenke. Hierzu zählen die Spon­dy­litis anky­losans (auch als Morbus Bech­terew bekannt), die mit der Schup­pen­flechte (Psoriasis) asso­zi­ierte Arthritis und weitere Arthri­tis­formen, die im Zusam­men­hang mit entzünd­li­chen Darm­erkran­kungen auftreten. Durch die mit dieser Erkran­kung verbun­denen starken Schmerzen bei Bewe­gung sind viele Betrof­fene in ihrer Akti­vität und dadurch in ihrer Lebens­qua­lität stark beeinträchtigt.

In einer 2013 veröf­fent­lichten Studie 19, wurde die Wirk­sam­keit von milder Ganz­kör­per­hy­per­thermie auf Pati­enten unter­sucht, die sich in einer multi­modalen Reha­bi­li­ta­tion aufgrund ihrer Spondylo­arthritis befanden. Die Pati­enten wurden dabei entspre­chend ihrer Präfe­renz in drei Gruppen aufge­teilt, von denen die erste zusätz­lich zu den normalen Thera­pien im Rahmen der Reha­bi­li­ta­tion zweimal wöchent­lich mit milder Hyper­thermie behan­delt wurde, die zweite Gruppe zusätz­lich einmal wöchent­lich während die dritte Gruppe nur die normalen Thera­pien aus dem gewöhn­li­chen  Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­gramm erhielt. Dabei zeigten sich bei den Pati­enten, die zusätz­lich zweimal wöchent­lich Hyper­ther­mie­be­hand­lungen beka­men, die stärksten posi­tiven Effekte. Aber auch bei der Gruppe mit nur einmal wöchent­li­cher Wärme­behandlung war in Bezug auf  die Verbes­se­rung der Funktions­fähigkeit und die Beweg­lich­keit der Lenden­wirbelsäule – quan­ti­fi­ziert durch Schober-Test  20 – eine signi­fi­kante Verbes­se­rung im Vergleich zu der Gruppe zu beob­achten, die nur die normalen Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lungen bekam. Außer einem leichten Schwin­del­ge­fühl während der unmit­tel­baren Hyper­ther­mie­be­hand­lung bei einigen wenigen Pati­enten, welches danach von selbst wieder verschwand, waren keine nega­tiven Wirkungen oder Folgen beob­achtet worden.

Wenn keine Kontra­in­di­ka­tionen wie schwere Herz-Kreis­lauf­er­kran­­kungen oder syste­mi­sche Entzün­dungs­zustände vorliegen, dann spricht kaum etwas dagegen, bei Vorliegen einer Spon­dy­loar­thritis zusätz­lich zur sons­tigen Therapie eine milde Ganz­kör­per­hy­per­thermie zur weiteren Linde­rung der Beschwerden zu versuchen.

Einsatz von Hyper­thermie bei Fibro­my­al­gie­syn­drom (FMS)

Das Fibro­my­al­gie­syn­drom bewirkt bei den betrof­fenen Pati­enten ausge­brei­tete Schmerzen in verschie­denen Körper­re­gionen – vor allem im Bereich der Musku­latur – in Verbin­dung mit Schlaf­störungen und vermehrter Erschöp­fung. Zu diesen Kern­sym­ptomen kommen eine Reihe von Begleit­symptomen wie Morgen­stei­fig­keit und Konzen­trations­störungen. Viele Pati­enten sind durch die anhal­tenden Schmerzen zudem in ihrem psychi­schen Befinden stark einge­schränkt und zum Teil sogar depressiv.

In einer 2013 veröf­fent­lichten Studie mit insge­samt 67 Pati­enten mit Fibro­my­al­gie­syn­drom konnte durch die ein- oder zweimal wöchent­liche Anwen­dung von Hyper­thermie über drei Wochen hinweg eine signi­fi­kante Verbes­se­rung der Schmerzen erreicht werden. 21 Die besten Resul­tate erzielte hierbei die Gruppe mit einmal wöchent­li­cher Behand­lung. Beson­ders erfreu­lich war, dass diese posi­tiven Effekte auch 6 Monate nach der Reha­bi­li­ta­tion weiterhin nach­weisbar waren. Zusätz­lich fanden die Forscher einen tenden­ziell posi­tiven Effekt auf die häufig vorhan­dene Depres­si­vität und die allge­meine Lebens­qua­lität der Betrof­fenen, was vermut­lich auf das gerin­gere Schmerz­ni­veau zurück­zu­führen sein dürfte.

Diese posi­tiven Ergeb­nisse werden von einer Fall­be­schrei­bung bestä­tigt, die unab­hängig davon im glei­chen Jahr in der Schwei­ze­ri­schen Zeit­schrift für Ganz­heits­me­dizin veröf­fent­licht wurde.

Bei einem seit mehreren Jahren durch das Fibro­my­al­gie­syn­drom zu 100 % arbeits­un­fä­higem, 49-jährigem Pati­enten konnte durch die Kombi­nation von mode­rater Hyper­thermie (also höhere Tempe­ra­turen als bei der oben erwähnten Studie, bei der nur eine milde Hyper­thermie zum Einsatz kam) mit phyto­the­ra­peu­ti­schen Maßnahmen und der Gabe von Probio­tika  (bei Verdacht auf eine Verän­de­rung der Darm­flora) und der Suble­men­ta­tion mit 2.000 IE Vitamin D täglich (aufgrund eines deut­lich zu nied­rigen Blut­spie­gels), konnte ein durch­schla­gender Erfolg erzielt werden. Nach zwei Serien zu je drei Hyper­ther­mie­be­hand­lungen in Verbin­dung mit den anderen erwähnten Maßnahmen konnte der Patient seine Arbeit wieder aufnehmen. 22

Linde­rung des Raynaud-Syndroms durch Hyperthermie

Das Raynaud-Syndrom, benannt nach dem fran­zösi­schen Arzt und Erst­be­schreiber Maurice Raynaud (1834–1881), ist durch eine anfalls­weise, auf beiden Körper­seiten zugleich auftre­tende, krampf­ar­tige Veren­gung der Blut­ge­fäße in den Fingern charak­te­ri­siert. Mitunter sind auch andere expo­nierte Körper­stellen wie Nase oder Ohren betroffen. Diese soge­nannten Vaso­spasmen lassen die Finger blass und kalt werden, im Extrem­fall kann es sogar zum Absterben des nicht mehr durch­blu­teten Gewebes kommen, also zur Bildung soge­nannter Nekrosen.

Zahlen für Deutsch­land liegen nicht vor, in den Verei­nigten Staaten schätzt man, dass etwa 5–10 % der Bevöl­ke­rung darunter leiden, wobei Frauen fünfmal häufiger betroffen sind als Männer. Man beob­achtet auch einen Zusam­men­hang zu bestimmten Erkran­kungen aus dem rheu­ma­ti­schen Formen­kreis, insbe­son­dere Kolla­ge­nosen, also Erkran­kungen des Binde­ge­webes. Zu diesen gehören neben der Sklero­dermie unter anderem auch der syste­mi­sche Lupus erythe­ma­todes (SLE), das Sjögren Syndrom und die Dermatomyositis.

Nicht uner­wartet zeigt Hyper­thermie einen deut­lich posi­tiven Effekt auf die Durch­blu­tung beim Raynaud-Syndrom, führt Wärme doch bekann­ter­maßen zu einer Erwei­te­rung der Blut­ge­fäße in der Haut. Dies wurde in verschie­denen Studien auch wissen­schaft­lich unter­sucht und bestä­tigt. 8 23 Die Forscher fanden bei Raynaud-Betrof­­fenen mit Sklero­dermie neben der Verbes­se­rung der Beschwerden im akuten Zustand eine uner­wartet lang­an­hal­tende Besse­rung betrof­fener Partien, die mit der direkten Erwär­mung nicht zu erklären war. Ein nach­hal­tiger, posi­tiver Effekt auf das patho­phy­sio­lo­gi­sche Geschehen von Pati­enten mit Raynaud-Syndrom ist daher durchaus möglich. 8

Lokale Behand­lung mit Infrarot-A-Strah­­lung und Wärme

Manchmal geht es nicht um die Behand­lung des gesamten Körpers, sondern das Ziel­ge­biet ist vergleichs­weise klein und klar begrenzt. Beispiele hierfür sind Schmerzen in einem Gelenk oder einer bestimmten Muskel­gruppe oder die Behand­lung einer Wunde.

Die posi­tive Wirkung von Wärme bei verspannten Muskeln ist hinläng­lich bekannt und entspre­chende Salben und Pflaster bekommt man in jeder Apotheke. Die meisten dieser Produkte erzeugen das wärmende Gefühl durch eine Reizung der Haut, was wiederum eine stär­kere Durch­blu­tung zur Folge hat. Eine Infrarot-Bestrah­­lung kann die gleiche Wärme erzeugen, vermeidet jedoch die chemi­schen Reiz­stoffe. Insbe­son­dere für Pati­enten, die auf diese sehr empfind­lich reagieren, kann dies eine gute Alter­na­tive sein.

Auch in der Wund­be­hand­lung hat Wärme posi­tive Effekte. Zu diesem Ergebnis kommt eine syste­mi­sche Lite­ra­tur­re­cherche. 24 In den verschie­denen Studien konnten dabei unter dem Einfluss von Wärme­behandlung eine deut­liche Vermin­de­rung der Schmerzen sowie ein gerin­gerer Bedarf für Schmerz­medikamente gezeigt werden. Außerdem wurden eine gerin­gere Bildung von Wund­se­kret und weniger Entzün­dungen beob­achtet . 25

Eine große Studie mit mehr als 100 Pati­enten an der Univer­si­täts­klinik Heidel­berg zeigte eine deut­lich verbes­serte Wund­hei­lung bei chir­ur­gi­schen Pati­enten, wenn die Wunden ab dem zweiten post­ope­ra­tiven Tag mit Infrarot-A-Strah­­lung behan­delt wurden. 26

Zusam­men­fas­sung und Bewertung

Thera­peu­ti­sche Hyper­thermie ist ein uraltes Verfahren, dass in seiner modernen Anwen­dungsform mit Hilfe von Infrarot-A-Strah­­lung ein breites Spek­trum mögli­cher Anwen­dungen findet. Während einige davon durch Studien bereits sehr gut belegt sind, ist bei anderen die Evidenz­lage noch sehr dünn oder fehlt völlig. Oben erwähnt sind daher auch nur dieje­nigen Bereiche, bei denen es bereits einige gute Hinweise auf Wirk­sam­keit gibt. Bewusst ausge­lassen haben wir dabei Anwen­dungen bei denen der aktu­elle Stand der Forschung keine ausrei­chenden Hinweise auf eine sinn­volle Wirkung bietet, auch wenn verein­zelte Studien erste Hinweise geben mögen. Als Beispiel dafür sei hier  Anwen­dungen bei Diabetes 27 genannt. Eben­falls ausge­klam­mert haben wir das komplette onko­lo­gi­sche Fach­ge­biet, da dies unserer Ansicht nach ausschließ­lich in die Hände der entspre­chenden Spezia­listen gehört und die dort zum Teil genutzten spezi­ellen Thera­pie­formen mit sehr inten­siver Hyper­thermie – viel­fach auch auf bestimmte tief­lie­gende Gewebe fokus­siert – oftmals nicht den ganzen Körper oder einzelne ober­flächennahe Bereiche als Ziel der Anwen­dung haben. Hier kommen daher auch oftmals Radio­the­ra­pien – also ioni­sie­rende Strah­lung – zum Einsatz und nicht die vergleichs­weise einfache und unge­fähr­liche Infrarot-Bestrahlung.

Insge­samt ist die milde Ganz­kör­per­hy­per­thermie mit Infrarot-A-Bestrah­­lung eine Therapie, die sich für verschie­dene Anwen­dungen eignet. In Abwe­sen­heit von Kontra­in­di­ka­tionen wie schweren Herz-Kreis­lauf­er­­kran­­kungen oder schweren syste­mi­schen Entzün­dungs­zu­ständen spricht – insbe­son­dere bei der milden Hyper­thermie bis 38,5° C – kaum etwas gegen einen Thera­pie­ver­such, da mit ernst­haften Neben­wir­kungen nicht zu rechnen ist.

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