TL; DR Hitze führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße und belastet den Kreislauf. Mastzellmediatoren können diesen Effekt zusätzlich verstärken. Menschen mit MCAS und/oder POTS reagieren häufig besonders empfindlich auf hohe Temperaturen. Gezielte Kühlung, ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte sowie ein angepasster Tagesablauf können helfen, den Körper zu entlasten.
Viele MCAS-Betroffene berichten, dass sich ihre Beschwerden an heißen Tagen verschlechtern. Dass Hitze ein relevanter Trigger sein kann, wird inzwischen auch durch klinische Untersuchungen gestützt.
In einer im Jahr 2023 veröffentlichten Studie [1] mit 250 MCAS-Betroffenen gehörten Wärme und Kälte zu den wichtigsten körperlichen Auslösern von Symptomen und dienten letztendlich sogar dazu, die Betroffenen in verschiedene Untergruppen zu unterteilen. Für knapp 64% der Studienteilnehmer:innen war Hitze ein wichtiger Trigger. Vermutlich leiden auch die meisten von euch unter diesem außergewöhnlich heißen Sommerbeginn und kämpfen mit verstärkter Symptomatik.
Experimentelle Studien [2,3] stützen diese Beobachtung: Unter Wärmeeinwirkung verändern Mastzellen ihr Verhalten. Forschende beobachteten unter anderem eine veränderte Freisetzung von Entzündungsmediatoren sowie Veränderungen in den Signalwegen der Mastzellen. Beispielsweise führte Wärmeeinwirkung in einer Zellstudie [3] zu einer erhöhten Freisetzung von ATP, einem Signalmolekül, das die Kommunikation zwischen Zellen beeinflusst und Entzündungsprozesse verstärken kann.
Was im Körper bei Hitze passiert
Ganz grundsätzlich führt Hitze im Körper dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch gelangt mehr warmes Blut an die Körperoberfläche; von dort kann die Wärme an die Umgebung abgegeben werden, unter anderem über Strahlung, Luftbewegung und vor allem über die Verdunstung von Schweiß. Interessant wird es, wenn man diesen Mechanismus mit Mastzellen verbindet: Auch diese setzen Botenstoffe frei, die die Blutgefäße erweitern und dadurch die Hitzesymptome zusätzlich verstärken können. Typische Folgen können daher Flush, Schwindel oder ein Abfall des Blutdrucks sein. Ursache ist, dass sich durch die erweiterten Gefäße mehr Blut in der Körperperipherie befindet und der zentrale Körper-Kreislauf dadurch etwas mehr "kämpfen" muss, um stabil zu bleiben.
Sonderfall: POTS
Während Hitze den Kreislauf grundsätzlich belastet, kann sie bei Menschen mit POTS (Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom) besonders ausgeprägte Beschwerden verursachen. Durch die hitzebedingte Gefäßerweiterung sammelt sich mehr Blut in den Beinen und im Bauchraum. Dadurch gelangt weniger Blut zum Herzen zurück. Um den Blutdruck und die Durchblutung wichtiger Organe aufrechtzuerhalten, reagiert der Körper häufig mit einem deutlichen Anstieg der Herzfrequenz.
Die Folge können Schwindel, Herzrasen, ausgeprägte Erschöpfung oder das Gefühl "wie gegen eine Wand zu laufen" sein. Da Mastzellmediatoren wie Histamin ebenfalls gefäßerweiternd wirken, können sich die Effekte bei Menschen mit MCAS und gleichzeitigem POTS zusätzlich verstärken.
Nicht jeder Mensch mit MCAS hat auch POTS. Da beide Erkrankungen jedoch häufig gemeinsam auftreten, lohnt es sich, diesen Zusammenhang zu kennen.
Warum Hitze so müde macht
Viele der typischen Hitzesymptome werden nicht nur als „unangenehm“, sondern auch als stark erschöpfend wahrgenommen. Das liegt daran, dass der Körper unter Hitze gleichzeitig mehrere Aufgaben bewältigen muss: Temperaturregulation, Kreislaufstabilisierung und eine ausreichende Versorgung der Muskulatur.
Wenn sich das Blut stärker in die Körperperipherie verlagert, kann es sich subjektiv so anfühlen, als stünden weniger Ressourcen für die körperliche Belastung zur Verfügung. Selbst kleine Aktivitäten wie Treppensteigen können sich so wie ein "mittlelgroßer Berganstieg" anfühlen.
Typische Symptome bei Hitze
Bei hoher Hitze oder individueller Sensibilität berichten Betroffene häufig über Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, schwere Beine oder das Gefühl von „körperlicher Schwäche“.
Faktoren wie Flüssigkeitszufuhr, Elektrolytstatus, Stress oder individuelle Reaktionsbereitschaft des Nervensystems können zusätzlich beeinflussen, wie stark diese Symptome ausgeprägt sind.
So viel zur Theorie. Im Alltag stellt sich jedoch die wichtigere Frage: Was können wir konkret tun, wenn Hitze Beschwerden auslöst? Im Folgenden besprechen wir einige praktische Strategien.
So unterstützt du deinen Körper bei Hitze
In der Praxis geht es vor allem darum, den Körper in seiner Temperatur- und Kreislaufregulation zu entlasten:
- ausreichend trinken, idealerweise nicht ausschließlich Wasser, sondern zusätzlich Elektrolyte, z. B. in flüssiger Form, zuführen
- direkte Kühlung über Hautareale wie Nacken, Unterarme oder Beine
- körperliche Belastung in die kühleren Tageszeiten verlegen
- Pausen einbauen und Überhitzung vermeiden
- bei Bedarf leichte Salzzufuhr, um den Kreislauf zu stabilisieren
Das Ziel ist nicht, die Hitze „auszuhalten“, sondern die physiologischen Systeme so zu unterstützen, dass sie weniger stark unter Druck geraten.
Mit der Hitze arbeiten statt gegen sie
Heiße Sommertage erfordern oft eine Umstrukturierung des Tagesablaufs. Unser Körper arbeitet bei hohen Temperaturen auf Hochtouren. Er versucht permanent, die Körpertemperatur zu regulieren und den Kreislauf stabil zu halten. Deshalb lohnt es sich, den Tagesablauf an die äußeren Bedingungen anzupassen, anstatt den Körper zusätzlich zu fordern.
Körperlich anstrengende Tätigkeiten bevorzugt für den frühen Morgen oder gegen Abend einplanen. Wenn möglich, solltest du die Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr für eine längere Ruhepause nutzen. (Nicht immer einfach, ich weiß, zumal wir in Deutschland keine "Siesta halten", wie es andernorts üblich ist.)
Man merkt schnell, dass unser Körper an solchen Tagen einfach nicht so gut funktioniert, weniger ausdauernd ist und deutlich längere Ruhezeiten benötigt. Kämpfe nicht dagegen an, sondern versuche, auf ihn zu hören.

Kühlmatte: Vom Fehlkauf zum Sommer-Gamechanger
Mein hilfreichstes Tool für diesen Sommer war tatsächlich ursprünglich gar nicht für mich gedacht, sondern für meinen Hund. Obwohl er als ehemaliger Streuner die costa ricanische Sonne gewöhnt sein dürfte, tut er sich teils schwer an heißen Tagen und hechelt was das Zeug hält.
Gut, dass es spezielle Kühlmatten für Hunde gibt. Das Teil wurde also gekauft und sowohl im Kühlschrank leicht gekühlt, als auch in der Kühltruhe tiefgefroren mit einer Decke umwickelt, bereitgelegt. Beide Varianten fanden allerdings nicht den Gefallen des vierbeinigen Señors. Die Abkühlung wurde eiskalt verschmäht.
Weil ich ungern Dinge wegwerfe und die kühle Unterlage durchaus eine gewisse Anziehungskraft auf meinen hitzegeplagten Körper hatte, legte ich mich also kurzerhand selbst drauf. Und, was soll ich sagen? Himmlisch. Es hat meinen verschwitzten Körper so gut gekühlt, dass ich mir überlege, eine zweite zu kaufen, für die Vorderseite.

Kühlzonen statt den ganzen Körper zu kühlen
Viele versuchen, den gesamten Körper herunterzukühlen, nach dem Motto "Viel hilft viel". Effektiver ist es aber oft, gezielt Körperstellen mit oberflächlich verlaufenden Blutgefäßen zu kühlen, insbesondere:
- Nacken
- Unterarme
- Handgelenke
- Kniekehlen
Auf diese Weise kann das vorbeiströmende Blut gekühlt werden, ohne den gesamten Körper einem starken Kältereiz auszusetzen. Beispiele hierfür wären das klassische Armbad nach Kneipp oder ein kühlendes Fußbad, was wunderbar auch am Schreibtisch im Home Office funktioniert.
Als etwas mobilere Variante bieten sich Cool Packs an und wenn gerade keins zur Hand ist, reicht eine Packung Tiefkühlerbsen absolut aus. Die halten erstaunlich lange und sind wunderbar flexibel.
Relativ neu sind spezielle Kühltücher, die auf 16°C runterkühlen können und mit Verdunstungskälte arbeiten. Die gibt es sogar antibakteriell oder mit Lichtschutzfaktor. Und wer ein Händchen für Handarbeiten hat, kann sich sogar ein nettes kleines Top daraus nähen: eine Anleitung dazu findet ihr hier.
Feuchte Baumwollsocken an den Füßen können ebenfalls für Abkühlung sorgen. Ist eine Fahrt mit dem Auto unumgänglich, lohnt es sich, dieses vorzukühlen. Oder man nimmt zum Beispiel auch hier eine Kühlmatte mit, um dem Körper bei der Temperaturregulation zu helfen.
So verlockend Eiswasser oder eine eiskalte Dusche an heißen Tagen auch erscheinen mögen: Sie sind nicht für jeden die beste Wahl. Ein plötzlicher Kältereiz aktiviert das sympathische Nervensystem (unser "Kampf-oder-Flucht-System") und führt zu einer schnellen Verengung der Blutgefäße. Das kann den Kreislauf zusätzlich belasten und bei Menschen mit Kreislaufproblemen, beispielsweise POTS, Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel oder Unwohlsein verstärken. Auch MCAS-Betroffene berichten, dass starke Temperaturwechsel ihre Symptome triggern können. Daher sind angenehm temperierte, allmähliche Kühlreize häufig die verträglichere Wahl.
Ein kleines Gesichts- oder Thermalwasserspray aus dem Kühlschrank kann an heißen Tagen eine spürbare Erleichterung schaffen. Ein oder zwei Sprühstoße auf Gesicht, Nacken oder Unterarme sorgen für eine angenehme Abkühlung und lassen sich auch unterwegs gut anwenden. Wir nutzen dafür beispielsweise das Avéne Thermalwasserspray... jedes andere gut verträgliche Gesicht- oder Thermalwasserspray funktioniert aber genauso gut.

Viel trinken und Elektrolyte nicht vergessen
An heißen Tagen verliert unser Körper über den Schweiß nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe: allen voran hauptsächlich Natrium (landläufig einfach Salz genannt), aber auch kleinere Mengen Kalium und Magnesium. Diese Mineralstoffe sind unter anderem wichtig für einen stabilen Flüssigkeitshaushalt, die Funktion von Nerven und Muskeln, sowie den Kreislauf.
Wer bei großer Hitze ausschließlich natriumarmes Wasser trinkt und gleichzeitig viel schwitzt, ersetzt zwar die verlorene Flüssigkeit, nicht aber die verlorenen Elektrolyte. Das kann neben der Mastzellproblematik zusätzlich zu Beschwerden wie Müdigkeit, Muskelschwäche, Schwindel oder Kreislaufproblemen beitragen.
An besonders heißen Tagen solltest du daher nicht nur auf eine ausreichende Trinkmenge achten, sondern auch auf die Elektrolytzufuhr. Das muss nicht zwangsläufig ein spezielles Elektrolytgetränk sein. Häufig reichen bereits eine ausgewogene, leicht salzigere Mahlzeit, eine Gemüse- oder Knochenbrühe oder ein Mineralwasser mit einem höheren Natriumgehalt aus.
Wer nach einer gut verträglichen Elektrolytlösung sucht, findet hier ein Produkt, das wir gerne empfehlen:
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Da ich diesen Artikel bei 40 °C Lufttemperatur geschrieben habe, seht es mir bitte nach, falls heute nicht jeder Satz perfekt sitzt. Meine Mastzellen haben mein Gehirn gefühlt in eine Art flüssigen Brei verwandelt... ;)
Referenzen
[1] Häder, T., Molderings, G.J., Klawonn, F. et al. Cluster-Analytic Identification of Clinically Meaningful Subtypes in MCAS: The Relevance of Heat and Cold. Dig Dis Sci 68, 3400–3412 (2023). doi:10.1007/s10620-023-07921-5
[2] Esmaeil Mortaz, Frank A. Redegeld, Maurice W. van der Heijden, Hector R. Wong, Frans P. Nijkamp, Ferdi Engels. Mast cell activation is differentially affected by heat shock, Experimental Hematology, Volume 33, Issue 8 (2005). doi:10.1016/j.exphem.2005.05.004
[3] Hu Lei, Wang Lina, Wei Jianzi, Ryszard Grygorczyk, Shen Xueyong, Wolfgang Schwarz. Heat induces adenosine triphosphate release from mast cells in vitro: a putative mechanism for moxibustion, Journal of Traditional Chinese Medicine, Volume 35, Issue 3 (2015). doi:10.1016/S0254-6272(15)30105-9
