8. Allergie- und Endoskopietagung 2024, Erlangen

Mein Rückblick auf die 8. Allergiatgung: Vorsitz im Betroffenenteil und ein eigener Vortrag zur Hypnotherapie bei Migräne, Reizdarm und Allergien. Dazu noch interessante Einblicke zu chronischen Blasenentzündung und IC.

Die 8. Allergie- und Endoskopietagung fand am 12. Oktober 2024 im Malteser Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen statt. Das Motto lautete „Darmgesundheit erhalten, behandeln und vorbeugen". Veranstalter war die Medizinische Klinik II des Waldkrankenhauses gemeinsam mit dem VAEM e.V.

Den Vorsitz der dritten Sitzung im Teil für Betroffene und Interessierte hatte ich gemeinsam mit Dr. Rita Haberger und Maike Rist inne. Die Sitzung befasste sich mit Kopfschmerzen und Migräne, und den antientzündlichen Wirkungen von Cannabinoiden (sehr empfehlenswerter Vortrag!) und mit Hypnose (mein Metier).

Mein Vortrag hieß „Erste Erfahrungen – Hypnotherapie bei Migräne, Reizdarm und Allergien". Dafür habe ich über längere Zeit die Studienlage zu diesen drei Bereichen zusammengetragen und sie mit Beobachtungen aus meiner eigenen Arbeit verbunden.

Hypnosetherapie mit Daten und Fakten untermauert bei RDS, Migräne und Allergien

Der erste Teil des Vortrags begann mit der Einordnung und Erklärung des Einordnung des Verfahrens. Hypnose wird im öffentlichen Bild mit Bühnenshows verwechselt. Die Hypnotherapie ist ein in der Psychotherapie anerkanntes Verfahren mit definierten Anwendungsgebieten.

Dann ging es zur Auswertung der Datenlage: Beim Reizdarmsyndrom ist sie am belastbarsten. Es existieren zwei standardisierte Protokolle, das North-Carolina-Protokoll und das Manchester-Protokoll. Das Manchester-Protokoll wurde in der Mehrzahl der kontrollierten Studien eingesetzt und geht auf eine kontrollierte Untersuchung bei schwer behandelbarem Reizdarm aus dem Jahr 1984 zurück. Es umfasst mehr als die Trancearbeit, denn Aufklärung, Beratung und tägliches eigenes Üben mit Audioaufnahmen gehören dazu. Dazu kommen Nachbeobachtungen über längere Zeiträume, in denen die Verbesserung anhielt. Eine randomisierte Studie mit 444 Teilnehmenden verglich sechs mit zwölf Sitzungen und fand vergleichbare Ergebnisse. Meist besserten sich die Beschwerden deutlich, und auch nachhaltig. PubMed CentralFrontiers

Bei Migräne und bei allergischen Erkrankungen sieht es etwas anders aus. Dort liegen und nur kleinere Untersuchungen und Fallserien vor, kein standardisiertes Protokoll und keine vergleichbaren Langzeitdaten.

Fachlich interessiert mich vor allem die Frage, wie weit sich immunologische Reaktionen unter Trance beeinflussen lassen. Es gibt Untersuchungen, in denen die Reaktion auf ein Allergen unter hypnotischer Suggestion messbar anders ausfiel. Die Histaminquaddel unter hypnotischer Analgesie fiel kleiner aus. Beim Histamin-Pricktest verlief die Reaktion unter unterschiedlichen suggerierten Gefühlszuständen zeitlich verschieden. Das sind Beobachtungen an kleinen Gruppen, und die Erklärung der zugrundeliegenden Mechanismen ist hier deutlich schwieriger. Den Titel „Erste Erfahrungen" wurde daherbewusst gewählt.

Ich habe auch schon zu Hypnose bei Allergien und Hypnose bei Autoimmunerkrankungen auf dem Blog veröffentlicht, daher lag es nahe, dieses Thema auch noch einmal für das Tagungs-Publikum aufzubereiten.

Spannendes aus dem ärztlich-wissenschaftlichen Teil zur IC und mehr

Aus dem ärztlich-wissenschaftlichen Teil war der Beitrag von Dr. Christine Höfling-Streitenfeld für mich der wertvollste der Tagung. Sie sprach über rezidivierende Harnwegsinfekte und die oft stiefmütterlich behandelte interstitielle Zystitis: Sie stellte die Frage, ob dahinter eine Mastzellerkrankung stehen kann, die uns alle beschäftigt. Zwei Punkte nehme ich in meine Arbeit mit. Der erste ist die Rolle von Unverträglichkeiten. Wenn Nahrungsbestandteile die Reizschwelle in der Blasenschleimhaut senken, dann gehört die Ernährungsanamnese bei chronischen Blasenbeschwerden zur Standardabklärung. Der zweite ist der Schleimhautschutz, konkret die GAG-Schicht als Barriere. (Über die komplementäre Behandlung von Blasenschmerzeen habe ich auch schon geschrieben.

Dazu kommt der Crosstalk zwischen Darm und Blase. In der Praxis sehe ich häufig, dass Beschwerden in beiden Organen gemeinsam auftreten. Abgeklärt werden sie getrennt, von unterschiedlichen Fachrichtungen und ohne Bezug zueinander. Wenn Mastzellen in beiden Geweben beteiligt sind und die Barrierefunktion in beiden Systemen gestört sein kann, erklärt das die Häufung und ich bin froh, dass diese Verbindungen nicht nur mir auffallen.

Das Programm ist über allergietagung.de einsehbar, das Tagungsprogramm (PDF) liegt beim Ärztlichen Bezirksverband Mittelfranken.

Mehr zu meinem fachlichen Hintergrund und meiner Arbeit findest du auf der Seite Über immunoloco & mich.

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