Hypnose bei Aller­gien und Hist­amin-vermi­t­­telten Symptomen

Ein Zusam­men­spiel von Psyche und vor allem atopi­schen Erkran­kungen oder aller­gi­schen Erkran­kungen wird oftmals vermutet. Die Diszi­plin der Psycho­neu­ro­im­mu­no­logie greift dies auf und zeigt, wie eine Verän­de­rung der Stress­hor­mon­aus­schüt­tung oder Schmerz in das Immun­system eingreifen. Daraus kann ein ungüns­tiger Kreis­lauf entstehen, da wiederum die durch  Stress und Immun­dy­s­re­gu­la­tion entstan­denen entzünd­li­chen Boten­stoffe negativ das Gefühls­leben beein­flussen können.1

Hypnose zeigte in klei­neren Unter­su­chungen einen posi­tiven Effekt bei nach­fol­genden Symptomen und Erkrankungen

  • Heuschnupfen
  • Neuro­der­mitis / atopi­sche Dermatitis
  • Urtikaria
  • Juck­reiz

Auch die Psoriasis, die zu den Auto­im­mun­erkran­kungen zählt, konnte in Unter­su­chungen positiv durch Hypno­the­rapie beein­flusst werden, weswegen sie im Detail im Artikel zur Hypnose bei Auto­im­mun­erkran­kungen bespro­chen wird.

Mitnichten möchte dieser Artikel atopi­sche, aller­gi­sche oder mast­zell­ver­mit­telte Erkran­kungen als psycho­so­ma­ti­sche Erkran­kungen darstellen, die man „weghyp­no­ti­sieren“ kann. Gleich­wohl sollen aber biolo­gi­sche Zusam­men­hänge aufge­zeigt werden und Unter­su­chungen zusam­men­ge­tragen werden, bei denen die Hypno­the­rapie einen posi­tiven Effekt auf die Aller­gie­sym­pto­matik oder den Krank­heits­ver­lauf hatte.

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Hypnose bei Heuschnupfen und Allergien

In einer Unter­su­chung mit 66 Heuschnupfen-Pati­enten, von denen die Hälfte Selbst­hyp­no­se­ver­fahren im ersten Jahr lernte und die andere Hälfte als Kontroll­gruppe diente, zeigte sich eine signi­fi­kante Verbes­se­rung der aller­gi­schen Symptome.2

Die Kontroll­gruppe, die bisher noch keine Hypnose­the­rapie erfahren hatte, wurde im zweiten Jahr einge­laden, eben­falls Selbst­hyp­no­se­tech­niken zu erlernen: Dies führte auch in dieser Gruppe zu einer Linde­rung der Symptome.

Eben­falls verbes­serte sich die Nasen­at­mung unter Selbst­hyp­nose, wobei der Effekt nicht immer statis­ti­sches Signi­fi­kanz­ni­veau erreichte. Die größte Verbes­se­rung sahen die Forscher, wenn Pati­enten sich selbst hypno­ti­sierten, nachdem man sie Gräser­pollen im Rahmen eines Provo­ka­ti­ons­tests ausge­setzt hatte. Die Nase blieb bei manchen Probanden deut­lich freier unter Selbst­hyp­nose als ohne.

In Selbst­hyp­nose waren also manche der Teil­nehmer fähig, ihre Immun­re­ak­tion zu verän­dern oder zu beein­flussen. Die Hypnose- und Trance­fä­hig­keit spielte laut Autoren für diese Unter­su­chung keine Rolle.2

Redu­zierte Hist­amin­quad­deln unter Hypnose

Eine weitere inter­es­sante Unter­su­chung wurde mit 10 gut hypno­ti­sier­baren Personen durch­ge­führt, bei denen man die Haut­re­ak­tion auf einen Hist­amin-Prick­­test unter Schmerz­reizen und Hypnose unter­suchte.3

Bei einem Prick­test werden norma­ler­weise Aller­gene in die oberste Haut­schicht einge­bracht. Hist­amin gilt dabei als Kontroll­feld, da man auf dieses Gewebs­hormon in der Regel eine Reak­tion in Form einer Quaddel bzw. Rötung erwartet.

In dem Unter­su­chungs­aufbau sollten insbe­son­dere die Zusam­men­hänge zwischen Schmerz- und Stress­reizen und Entzün­dungs­pro­zessen heraus­ge­ar­beitet werden und ob diese sich durch Hypnose beein­flussen lassen. Schmerz­reize wurden mittels eines Lasers gesetzt.

Die Hist­amin­quaddel unter hypno­ti­scher Anal­gesie, also Schmerz­stil­lung durch Hypnose, war deut­lich kleiner als ohne Hypnose.  In dieser Unter­su­chung zeigte sich auch, dass Schmerz-/ Stress­reize bei den Entzün­dungs­pro­zessen der Haut eine Rolle zu spielen scheinen.3

Unter­schied­liche Haut­re­ak­tionen auf Hist­amin unter Gefühlen wie Wut, Trauer und Freude

Ebenso wurde in einem weiteren Expe­ri­ment unter­sucht, wie sich in Hypnose hervor­ge­ru­fene Gefühle auf die Reak­tionen der Haut beim Hist­amin-Prick­­test auswirken. Dabei zeigte sich, dass die Reak­tion auf Hist­amin unter der Sugges­tion von Freude schon nach zwei Minuten die größte Ausdeh­nung erreicht hatte, aber unter Trauer vier Minuten bis zum Höhe­punkt benö­tigte. Auch Ärger war mit einer längeren und größeren Haut­re­ak­tion als Freude verbunden.4

Stress beein­flusst aller­gi­sche Erkrankungen

Gerade Personen mit Aller­gien und Mast­zel­l­er­kran­kungen machen oftmals auch die persön­liche Erfah­rung, dass starke Wut oder Trauer den Krank­heits­pro­zess ungünstig beein­flussen. Diese Unter­su­chungen bestä­tigen Inter­ak­tionen zwischen Nerven­system und Immunsystem.

So kommt es bei Span­nungs­zu­ständen zu einer Akti­vie­rung des sympa­thi­schen Nerven­sys­tems, was auch als „Kampf- und Flucht”-Zustand bezeichnet wird. Stress­reize führen eben­falls dazu, dass mehr Stress­hor­mone, unter anderem Cortisol, ausge­schüttet wird, weil unsere zentrale Schalt­stellen für Hormon­re­gu­la­tion – Hypo­tha­lamus und Hypo­physe – die Neben­niere dazu anregen.

Nerven und Hormon­system inter­agieren mitein­ander und es kommt zudem zu einer Frei­set­zung von unter­schied­li­chen Nerven­wachs­tums­fak­toren, die bspw. Entzün­dungen verstärken können. Gene­rell kommt es dadurch zu einer Verschie­bung des Immun­sys­tems Rich­tung einer tenden­ziell aller­gi­schen Immun­ant­wort (TH2).

Personen mit einer starken Reak­tion auf Hist­amin scheinen beson­ders gut hypnotisierbar

Neben der schon erwar­teten Reak­tion, dass Personen in einem fröh­li­chen Zustand weniger starke Haut­re­ak­tionen aufwiesen, fand sich hier noch eine andere Auffäl­lig­keit: Beson­ders gut hypno­ti­sier­bare Probanden hatten stär­kere Reak­tionen auf Hist­amin im Vergleich zu Personen, die nicht so empfäng­lich für Hypnose waren.4

Warum even­tuell ein solcher Zusam­men­hang besteht, ist aller­dings noch unklar und neben Studien, die diesen Effekt gefunden haben, gab es auch wieder solche, die diese Korre­la­tion nicht nach­weisen konnten.1,3,4

Häufungen von Genmu­ta­tionen, die den Hist­amin­abbau betreffen, konnten aber häufiger bei Menschen mit atopi­schen Erkran­kungen, Asthma und Migräne nach­ge­wiesen werden.5–8 Durch diese soge­nannten Poly­mor­phismen kommt es zu einer Beein­flus­sung des Hist­amin­haus­halts, was sich even­tuell auf die Psyche und die Hypno­se­fä­hig­keit auswirken könnte.

Hypnose und Nessel­sucht (Urtikaria)

Die Nessel­sucht ist eine Haut­er­kran­kung, die sich durch Quad­del­bil­dung und das Auftreten von Schwel­lungen, soge­nannten Angio­ödemen, auszeichnet. Häufig spielt Hist­amin als einer der haupt­säch­lich auslö­senden Boten­stoffe eine große Rolle bei der Ausbil­dung der Symptome der Urtikaria.

Wenn Hypnose, wie schon in den oben genannten Expe­ri­menten, einen Einfluss auf die Reak­tion der Haut unter Hist­amin­rei­zung hat, dann ist es zumin­dest wahr­schein­lich, dass Hypno­the­rapie bei einem Teil der Pati­enten mit Nessel­sucht auch hilf­reich sein könnte. In der Tat gibt es eine kleine Studie mit 15 Probanden, in der sich Hypnose als wirksam heraus­stellte. Beson­ders gut wirkte sie auf den Juck­reiz.9,10

Hier zeigte sich im Gegen­satz zur Heuschnupfen-Unter­­su­chung aber ein Unter­scheid zwischen hypno­ti­sier­baren und eher nicht hypno­ti­sier­baren Personen, wobei beide Gruppen von der Inter­ven­tion profi­tierten.9

Einsatz von Hypnose beim atopi­schen Ekzem

Die atopi­sche Derma­titis, auch atopi­sches Ekzem oder im Volks­mund Neuro­der­mitis genannt, ist eine häufige chro­ni­sche Haut­er­kran­kung, die oftmals mit stark juckender Haut einhergeht.

In einer erst 2020 publi­zierten Unter­su­chung zeigte sich, dass 26 von 27 Betrof­fenen mit atopi­scher Derma­titis von der Hypno­the­rapie profi­tierten. Die Symptom­skala verrin­gerte sich von 12 zu Beginn auf durch­schnitt­lich 2,8 Punkte am letzten Termin.

Im Schnitt wurden sechs Hypno­se­be­hand­lungen mit jedem Pati­enten durch­ge­führt, wobei indi­vi­duell die Spanne von 2 bis 16 Sitzungen reichte. Es gab jedoch keine Kontroll­gruppe.11

Zusam­men­fas­sung

Hypnose scheint posi­tive Auswir­kungen auf aller­gi­sche und atopi­sche Erkran­kungen zu haben. Wie groß der Effekt ist und bei wem Hypno­the­rapie beson­ders gut wirkt, ist schwierig zu sagen, da die Unter­su­chungen oftmals aus wenigen Teil­neh­mern bestanden und nicht immer mit einer Kontroll­gruppe gear­beitet wurde.

Zudem hat man, wie bei fast allen chro­ni­schen Erkran­kungen, das Problem, dass diese übli­cher­weise im Verlauf des Lebens schwanken und sich alleine deswegen Verbes­se­rungen und Verschlech­te­rungen ergeben können, die nichts mit der Inter­ven­tion zu tun haben.

Auch lässt sich nicht jede Person gleich gut hypno­ti­sieren und bei Selbst­hyp­nose kommt es stark darauf an, wie oft die Pati­enten das Verfahren anwenden und einüben. Dennoch halte ich die Hypno­the­rapie für ein span­nendes und neben­wir­kungs­armes Verfahren, das dem Betrof­fenen sogar die Möglich­keit gibt, bspw. im Rahmen einer Selbst­hyp­nose, selbst gegen seine Erkran­kung vorzugehen.

Meine persön­liche Erfah­rung mit Hypnose mit Hist­amin-vermi­t­­telten Problemen

Als Hypno­the­ra­peutin und Betrof­fene mit wieder­keh­renden aller­gi­schen Reak­tionen und Angio­ödemen kann Selbst­hyp­nose mir in Bezug auf die quälenden Symptome wie Juck­reiz etwas Linde­rung verschaffen.

Derzeit expe­ri­men­tiere ich mit Hypno­se­formen, die dem Probanden bzw. der Probandin sugge­rieren, welche körper­li­chen Vorgänge er/sie beein­flussen soll, um seine Symptome zu verbessern.

Inspi­riert wurde ich durch eine Unter­su­chung an Kindern mit einem IgA-Mangel. Bei einem IgA-Mangel handelt es sich um einen vergleichs­weise häufig vorkom­menden Immun­de­fekt. In dieser Unter­su­chung durften Kinder in Selbst­hyp­nose mit Sugges­tionen ihrer Wahl versu­chen, ihre IgA-Produ­k­­tion zu erhöhen. Dies gelang aller­dings nur der Gruppe, in der medi­zi­nisch korrekte, spezi­fi­sche Sugges­tionen gegeben wurden. Hierbei stieg die Anzahl von IgA signi­fi­kant.12

Dementspre­chend versuche ich in hypno­ti­schen Inter­ven­tionen mit den bioche­mi­schen Prozessen im Körper zu arbeiten, die regu­liert werden sollten. Ich bin gespannt, wie dies sich indi­vi­duell auswirkt und werde berichten. 😊

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Quellen

  1. Liez­mann C, Klapp B, Peters EM. Stress, atopy and allergy: A re-evalua­­tion from a psycho­neu­ro­im­mu­no­logic perse­pec­tive. Dermato­en­docrinol. 2011;3(1):37–40. doi:10.4161/derm.3.1.14618
  2. Lange­witz W, Izakovic J, Wyler J, Schindler C, Kiss A, Bircher AJ. Effect of self-hypnosis on hay fever symptoms — a rando­mised controlled inter­ven­tion study. Psycho­ther Psychosom. 2005;74(3):165–172. doi:10.1159/000084001
  3. Zacha­riae R, Bjer­ring P. The effect of hypno­ti­cally induced anal­gesia on flare reac­tion of the cuta­neous hist­amine prick test. Arch Dermatol Res. 1990;282(8):539–543. doi:10.1007/BF00371950
  4. Zacha­riae R, Jørgensen MM, Egek­vist H, Bjer­ring P. Skin reac­tions to hist­amine of healthy subjects after hypno­ti­cally induced emotions of sadness, anger, and happi­ness. Allergy. 2001;56(8):734–740. doi:10.1034/j.1398–9995.2001.056008734.x
  5. Petersen J, Drasche A, Raithel M, Schwel­berger HG. Analysis of genetic poly­mor­phisms of enzymes involved in hist­amine meta­bo­lism. Inflamm res. 2003;52(1):s69-s70. doi:10.1007/s000110300059
  6. Agúndez JAG, Ayuso P, Cornejo-García JA, et al. The Diamine Oxidase Gene Is Asso­ciated with Hyper­sen­si­ti­vity Response to Non-Stero­idal Anti-Inflamm­a­­tory Drugs. PLoS One. 2012;7(11). doi:10.1371/journal.pone.0047571
  7. García-Martín E, Martínez C, Serrador M, et al. Diamine Oxidase rs10156191 and rs2052129 Vari­ants Are Asso­ciated With the Risk for Migraine. Headache: The Journal of Head and Face Pain. 2015;55(2):276–286. doi:https://doi.org/10.1111/head.12493
  8. Agúndez JAG, Luengo A, Herráez O, et al. Nonsyn­ony­mous poly­mor­phisms of hist­a­mine-meta­­bo­­li­­sing enzymes in pati­ents with Parkinson’s disease. Neuro­mole­cular Med. 2008;10(1):10–16. doi:10.1007/s12017-007‑8017‑7
  9. Shertzer CL, Looking­bill DP. Effects of rela­xa­tion therapy and hypno­tiza­bi­lity in chronic urti­caria. Arch Dermatol. 1987;123(7):913–916.
  10. Shene­felt PD. Mind­­fu­l­­ness-Based Cogni­tive Hypno­the­rapy and Skin Disor­ders. American Journal of Clinical Hypnosis. 2018;61(1):34–44. doi:10.1080/00029157.2017.1419457
  11. Delaitre L, Denis J, Mail­lard H. Hypnosis in Treat­ment of Atopic Derma­titis: A Clinical Study. Inter­na­tional Journal of Clinical and Expe­ri­mental Hypnosis. 2020;68(4):412–418. doi:10.1080/00207144.2020.1788391
  12. Olness K, Culbert T, Uden D. Self-regu­la­­tion of sali­vary immu­no­glo­bulin A by children. Pediatrics. 1989;83(1):66–71.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ökofreak
    6. Juni 2021 17:15

    Wie immer ein inter­es­santer Artikel zu einem Thema, das nicht im Fokus der Öffent­lich­keit und von den meisten Ärzten*innen steht. Aber da die Psycho­neu­ro­im­mu­no­logie, ähnlich wie z. B. das Darm­mi­kro­biom, aktuell immer mehr Aufmerk­sam­keit in der Forschung erhält, wäre es schön, wenn auch hier zukünftig (wohl durch die öffent­liche Hand) mehr geforscht werden würde um auch valide Ergeb­nisse mit größeren Studien zu erhalten.

    Antworten
    • Lisa Dostmann
      10. Juni 2021 21:20

      Hallo,

      mehr Forschung in dem Bereich wäre sehr zu begrüßen.
      Freut mich, dass der Artikel gut ankommt. 

      Schöne Grüße,

      Lisa

      Antworten
  • Hallo Lisa,
    im Fern­sehen werden Leute in Hypnose versetzt und bilden dann mit dem Körper eine Brücke zwischen zwei Stühlen oder machen andere selt­same Sachen. Es gab schon Krimis, in denen jemand unter Hypnose einen Mord begangen haben soll. Ist es so, dass man unter Hypnose wirk­lich die Kontrolle über sein Tun und Handeln verliert und man Sachen macht oder über Dinge spricht, was man unter “normalen” Umständen nie gemacht hätte?

    Antworten
    • Lisa Dostmann
      10. Juni 2021 21:32

      Hallo,

      solche Fragen werden mir oft in der Praxis gestellt, sodass ich wohl einen eigenen Artikel dazu schreiben und veröf­fent­li­chen werde. Zumin­dest habe ich mir das fest vorge­nommen 😉 In aller Kürze aber schon ein paar Antworten: 

      1) Show-Hypnose und medi­zi­ni­sche Hypnose sind zwei voll­kommen unter­schied­liche Sachen. Es gilt aber immer: Jemand der sich nicht auf Hypnose einlassen möchte, kann auch nicht in einen Tran­ce­zu­stand versetzt werden.
      2) Trance kommt auch in unserem Alltag vor: Wie oft fahren wir eine altbe­kannte Strecke mit unserem Auto und wissen aber nicht genau, an was wir alles vorbei­ge­fahren sind, weil wir so in Gedanken versunken waren. Das ist oftmals schon eine Form der Trance. In diesem Entspan­nungs­zu­stand verliert man nicht die Kontrolle über sein Handeln und Tun — man hat nur oftmals einen anderen Zugang zu oder Blick­winkel auf Dinge.
      3) Man kann sich auch an die Hypno­se­sit­zung erin­nern und an das, was man gespro­chen hat — oftmals liegt der Clou eben nur daran, dass man merkt: “Hoppla, so habe ich das ja noch nie gesehen, aber das ist ein Ansatz­punkt, der mir viel­leicht weiter­helfen kann.”
      4) Man kann jemanden in Hypnose nicht zwingen, irgend­etwas gegen seinen Willen zu tun. Das geht nicht! Da ist die Darstel­lung in Filmen schlichtweg falsch und schadet der Therapieform.

      Ich hoffe, das hilft schon etwas. 

      Einen schönen Abend, 

      Lisa

      Antworten
  • Danke für deine Antwort Lisa. Denn wenn man das im Fern­sehen so sieht, kommt einem das schon etwas strange und scary vor. Da bin ich sehr gespannt, was du dann noch in deinem ausführ­li­chen Artikel zu dem Thema weiter erläu­tern willst. Ich denke, ein vertrau­ens­volles Verhältnis Patient-Thera­peu­t/­The­ra­peut-Patient ist da sehr wichtig, damit man als Patient offen für solche neuen Behand­lungs­an­sätze ist bzw. wird.

    Antworten
    • Lisa Dostmann
      12. Juni 2021 11:01

      Sehr gerne. Ja, ein vertrau­ens­volles Verhältnis ist sehr wichtig dabei: Fragen sollten am besten im Vorfeld gemeinsam geklärt und Bedenken ausge­räumt werden.
      Ein schönes Wochenende,
      Lisa

      Antworten

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