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Kupfer und Diamin­oxi­dase (DAO) – welche Bezie­hung besteht?

Einige Nahrungs­mit­tel­er­gän­zungen für hist­amin­in­to­le­rante bzw. hist­amin­un­ver­träg­liche Pati­enten enthalten Kupfer, um dadurch für eine bessere Versor­gung des Körpers mit Diamin­oxi­dase (kurz: DAO) zu sorgen. Die Diamin­oxi­dase ist ein Enzym, welches haupt­säch­lich im Darm vorkommt, und dort das anfal­lende Hist­amin abbaut und somit zur Regu­la­tion des Hist­amin­spie­gels im Körper beiträgt.

Wie beein­flusst Kupfer die Diamin­oxi­dase (DAO?)

Ein Mangel an Kupfer scheint in Tier­mo­dellen dafür zu sorgen, dass die Akti­vität der Diamin­oxi­dase bzw. der Spiegel der Diamin­oxi­dase im Blut­plasma vermin­dert ist.1,2 Frag­lich ist jedoch derzeit noch, inwie­weit die Diamin­oxi­dase-Akti­vität im Blut Aufschluss gibt über die Akti­vität der DAO im Darm, wo sie im Körper am meisten vorkommt und für den Hist­amin­abbau benö­tigt wird. Für den Menschen habe ich dazu bisher keine klini­schen Unter­su­chungen gefunden.

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Mangelnde Aussa­ge­kraft der DAO im Blut (Serum/Plasma)?

Derzeit ist noch umstritten wie aussa­ge­kräftig der Diamin­oxi­da­se­spiegel im Blut ist. Es gibt Unter­su­chungen, die keine signi­fi­kanten DAO-Spiegel Unter­schiede zwischen betrof­fenen Personen mit Hist­amin­in­to­le­ranz-Syndrom (HIS) und beschwer­de­freien Personen, die hist­amin­reiche Nahrungs­mittel essen können, nach­weisen konnten.3

Daher lehnt die Deut­sche Gesell­schaft für Allergie und Klini­sche Immu­no­logie (DGAKI) derzeit die Diamin­oxi­dase im Blut als Marker für das Hist­amin­in­to­le­ranz-Syndrom, auch kurz HIS genannt, ab.3 Es gibt aber durchaus Medi­ziner, die dies anders betrachten. So kann ein konstant sehr nied­riger DAO-Spiegel bspw. auch ein Hinweis sein auf eine Muta­tion in einem der DAO-Genab­schnitte (siehe Ursa­chen der HIS).4

Ein Grund für die teil­weise mangelnde Aussa­ge­kraft des Diamin­oxi­dase-Werts könnte sein, dass bis heute noch nicht abschlie­ßend geklärt werden konnte, inwie­fern der DAO-Wert im Blut mit der tatsäch­lich vorhan­denen Diamin­oxi­dase im Darm zusam­men­hängt. Gerade im Darm wird die DAO benö­tigt, um das anfal­lende Hist­amin aus der Nahrung abbauen zu können.

Zum Beispiel kann in Patho­logie der Uniklinik Erlangen die im Darm vorlie­gende DAO mittels Unter­su­chung der Biop­sien, die im Rahmen einer Magen-Darm-Spie­ge­lung gewonnen werden, klas­si­fi­ziert werden.

Die im Darm vorlie­gende DAO scheint auch von entzünd­li­chen und aller­gi­schen Prozessen der Darm­schleim­haut negativ beein­träch­tigt zu werden.5 Daher ist eine Behand­lung der Ursa­chen, die zu einer Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit führen können, entscheidend.

Da Unter­su­chungen zur Diamin­oxi­dase im Darm­ge­webe bisher nicht stan­dard­mäßig durch­ge­führt werden, fehlen leider wert­volle Daten, die der Forschung zu einem Diamin­oxi­dase-Mangel zugu­te­kommen könnten.

Schematische Darstellung des Histamin- und biogene Amine-Abbaus über die Enzyme DAO und HMNT
Abbau von Hist­amin und biogenen Aminen

Kupfer­mangel

Ein Kupfer­mangel kann für eine Viel­zahl von Symptomen verant­wort­lich sein und kommt unter anderem dann vor, wenn die Ernäh­rung zu einseitig oder Resorp­ti­ons­stö­rungen vorliegen. Ursa­chen, die vor allem bei Kindern eine Rolle spielen, sind ein Prote­in­mangel oder schwere Durch­fälle. Diese können eben­falls dafür sorgen, dass der Darm nicht genü­gend Kupfer aufnimmt.

Zudem kann eine hohe Aufnahme von Zink, die Kupfer­auf­nahme im Darm blockieren.6Häufig nehmen gerade Pati­enten mit Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit Präpa­rate mit Zink ein – daher ist es ratsam, sowohl den Zink- als auch Kupfer­spiegel im Labor testen zu lassen.

Kupfer bei Hist­amin­in­to­le­ranz einnehmen?

Aufgrund der Gefahr durch ein zu viel Kupfer Neben­wir­kungen zu bekommen oder die Zink­auf­nahme zu beein­träch­tigen, sollte Kupfer am besten nur nach Labor­be­stim­mung einge­nommen werden bzw. über die Nahrung zuge­führt werden. Tages­be­darf liegt bei 1–1,5mg/Tag.7

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Symptome des Kupfermangels

Bei einem Kupfer­mangel können folgende Symptome auftreten:

  • Müdig­keit
  • Anämie, also eine vermin­derte Anzahl an roten Blut­kör­per­chen, den soge­nannten Erythrozyten
  • Leuko­penie, eine Verrin­ge­rung der weißen Blutkörperchen
  • Osteo­po­rose
  • Nerven­schä­di­gungen

Behand­lung

Bei einem Kupfer­mangel muss nach der Ursache gesucht werden und abge­klärt werden, ob z.B. chro­nisch entzünd­liche Darm­er­kran­kungen vorliegen, die die Aufnahme von Kupfer verhin­dern. Eben­falls kann, wie schon oben genannt, eine sehr einsei­tige Ernäh­rung oder auch eine künst­liche Ernäh­rung über die Vene (soge­nannte paren­te­rale Ernäh­rung) eine Ursache sein, sodass dann an der Erwei­te­rung des Spei­se­plans oder einer gezielten Zufuhr mittels Nahrungs­er­gän­zungs­mit­teln der Mangel behoben werden kann.8

Bei einer hohen Einnahme von Zink muss diese gestoppt werden. Falls diese nötig ist, um normale Zink­spiegel im Blut zu gewähr­leisten, sollte Kupfer zusätz­lich einge­nommen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass man Kupfer und Zink dann getrennt vonein­ander supple­men­tiert – beispiels­weise Zink am Morgen einge­nommen wird und Kupfer dann am Abend.

Neben­wir­kungen von Kupfer-Einnahme

Kupfer-Einnahme bei einem Mangel ist in der Regel ohne Neben­wir­kungen. Bei Menschen, die sehr empfind­lich reagieren, kann es even­tuell zu leichten Magen-Darm-Symptomen kommen, wie zu leichter Übelkeit.

Es sollte darauf geachtet werden, dass keine unver­träg­li­chen Farb­stoffe oder Zusatz­stoffe in der gewählten Kupfer-Supple­men­ta­ti­ons­form enthalten sind.

Kupfer­ver­gif­tung?

Eine akute Kupfer­ver­gif­tung tritt nach Einnahme von mehr als 1 Gramm auf und kann zum Tode führen. Symptome eine Kupfer­ver­gif­tung sind z.B.:

  • Schleim­haut­blu­tungen, Bluterbrechen
  • blau-grüne Ausschei­dungen
  • Magen-Darm-Symptome
  • starkes Durst­ge­fühl
  • Kopf­schmerzen
  • Schwindel
  • epilep­ti­sche Anfälle
  • Gelb­sucht
  • akute Hämo­lyse (Zerfall roter Blut­kör­per­chen)9

Auch eine länger­fristig erhöhte Einnahme kann zu einer Kupfer­ver­gif­tung führen.

Quellen

1. Legleiter LR, Spears JW. Plasma diamine oxidase: a biomarker of copper defi­ci­ency in the bovine. J Anim Sci. 2007;85(9):2198–2204. doi:10.2527/jas.2006–841

2. Kehoe CA, Faughnan MS, Gilmore WS, Coulter JS, Howard AN, Strain JJ. Plasma diamine oxidase acti­vity is greater in copper-adequate than copper-marginal or copper-defi­cient rats. J Nutr. 2000;130(1):30–33. doi:10.1093/jn/130.1.30

3. Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, et al. German guide­line for the manage­ment of adverse reac­tions to inge­sted hist­amine: Guide­line of the German Society for Aller­go­logy and Clinical Immu­no­logy (DGAKI), the German Society for Pediatric Aller­go­logy and Envi­ron­mental Medi­cine (GPA), the German Asso­cia­tion of Aller­go­lo­gists (AeDA), and the Swiss Society for Aller­go­logy and Immu­no­logy (SGAI). Allergo J Int. 2017;26(2):72–79. doi:10.1007/s40629-017‑0011‑5

4. Hist­amin­in­to­le­ranz: IMD Institut für medi­zi­ni­sche Diagnostik, Labor. Accessed February 17, 2019. https://www.imd-berlin.de/spezielle-kompetenzen/nahrungsmittelunvertraeglichkeiten/histaminintoleranz.html

5. Raithel M, Küfner M, Ulrich P, Hahn EG. The invol­ve­ment of the hist­amine degra­dation pathway by diamine oxidase in mani­fest gastro­in­tes­tinal aller­gies. Inflamm Res. 1999;48 Suppl 1:S75-76. doi:10.1007/s000110050414

6. Brzozowska A. [Inter­ac­tion of iron, zinc and copper in the body of animals and humans]. Rocz Panstw Zakl Hig. 1989;40(4–6):302–312.

7. Wazir SM, Ghobrial I. Copper defi­ci­ency, a new triad: anemia, leuco­penia, and myelo­neu­ro­pathy. J Commu­nity Hosp Intern Med Perspect. 2017;7(4):265–268. doi:10.1080/20009666.2017.1351289

8. Water NRC (US) C on C in D. Health Effects of Excess Copper. National Acade­mies Press (US); 2000. Accessed August 1, 2021. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK225400/

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Heil­prak­ti­kerin in eigener Praxis, Hypnose­the­ra­peutin, Besit­zerin eines verrückten Immun­sys­tems mit auto­im­munen Spezi­al­ef­fekten, die sie nach ihrem Studium mit eben­sol­cher Hingabe medi­zi­ni­sche anstatt wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand­lungen wälzen lassen. Wenn ihre Gelenke und Mast­zellen es zulassen: begeis­terte Heimwerkerin.

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