header2

Behand­lung der Hist­amin­in­to­le­ranz: eine detail­lierte Übersicht

Die Mecha­nismen, die zur Hist­amin­in­to­le­ranz führen und diese auslösen sind bisher nur bedingt verstanden. Das, was bisher über ihre Entste­hung bekannt ist, findet sich in einem geson­derten Artikel zu den Ursa­chen dieser im wissen­schaft­li­chen Bereich auch Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit oder Hist­amin­in­to­le­ranz-Syndrom (HIS) genannten Erkrankung.

Aufgrund der noch bestehenden Unsi­cher­heiten in Bezug auf die Hist­amin­in­to­le­ranz, herrscht bezüg­lich der Therapie der Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit eben­falls noch keine Einig­keit und manche Empfeh­lungen werden kontro­vers disku­tiert. Nach­fol­gend werden bereits bestehende Empfeh­lungen aufge­griffen und deren wissen­schaft­liche oder auch fehlende Grund­lagen thema­ti­siert, um Thera­peuten als auch Pati­enten einen roten Faden anzubieten.

Zusam­men­fas­sung der Behandlungsmethoden

Hist­amin­in­to­le­ranz ist noch nicht komplett verstanden und viele Behand­lungs­op­tionen wurden nicht tief­ge­hend wissen­schaft­lich untersucht. 

  1. Hist­amin­arme Ernäh­rung als Basistherapie
  2. Meidung von DAO- und HMNT-blockie­renden Medikamenten
  3. Behand­lung anderer Magen- und Darmerkrankungen
  4. Anti­hist­ami­nika (H1- und evtl. H2-Blocker nach ärzt­li­cher Verordnung)
  5. Ausgleich von Nähr­stoff­män­geln (insbe­son­dere auch Co-Faktoren der DAO wie B6)
  6. Vitamin C
  7. versuchs­weise DAO-Supple­men­ta­tion mit DAOsin®
  8. hist­amin­ab­bau­ende Probiotika

Die hist­amin­arme Ernäh­rung als Basistherapie

Hist­amin wird aus Histidin (einer Amino­säure) gebildet und entsteht in Nahrungs­mit­teln vor allem bei längerer Reifung von Lebens­mit­teln durch Stoff­wech­sel­pro­zesse von Bakte­rien, z.B. gereifter Gouda.

Bei Betrof­fenen ist das Gleich­ge­wicht von Hist­amin­abbau und ‑aufnahme (siehe Ursa­chen) gestört. Daher sollte weniger Hist­amin mit der Nahrung zuge­führt werden, um Symptomen, die durch Hist­amin ausge­löst werden, vorzu­beugen. Lebens­mittel sollten möglichst frisch zube­reitet und gleich verzehrt werden, um einer Hist­amin­bil­dung vorzubeugen.

Da der Grad der Reifung und damit der Hist­amin­bil­dung von vielerlei Umständen abhängt abseits des Lebens­mit­tels an sich, wie z.B. Kühl­kette beim Trans­port, gene­relle Frische des Nahrungs­mit­tels, sind Listen oft nicht hilf­reich. Im Gegen­teil können diese nach Erfah­rung der Autorin teil­weise dazu führen, dass eigent­lich verträg­liche Lebens­mittel auch noch gemieden werden und es dann zu Nähr­stoff­män­geln oder kalo­ri­schen Defi­ziten kommt.

So kann z.B. Rinder­hack einmal verträg­lich sein, weil es bei gekühlter Lage­rung und raschem Verzehr eher wenig Hist­amin enthält. Auf der anderen Seite kann es durch ungüns­tige Lage­rung und Trans­port im Warmen zu einer erhöhten Akti­vität von protein­ab­bau­enden Bakte­rien gekommen sein, die die Hist­amin­bil­dung geför­dert haben, sodass es beim Betrof­fenen schon zu Symptomen kommt.

Auch die Tole­ranz­schwelle schwankt inner­halb der Pati­en­ten­gruppe stark. Für schwer Betrof­fene kann, um beim Beispiel zu bleiben, auch frisches Hack­fleisch schon zu viel Hist­amin enthalten.

Des Weiteren hängt die indi­vi­du­elle Tole­ranz von vielen Faktoren ab, sodass Pauscha­li­sie­rungen hier eben­falls nicht sinn­voll wären: Bei Frauen schwankt häufiger die Verträg­lich­keit im Rahmen des Zyklus, oder manchmal kommt es durch Einnahme von Medi­ka­menten zu einer Verschie­bung der Symptomschwelle.Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Medi­ka­mente berücksichtigen

Hist­amin wird im Körper haupt­säch­lich von zwei Enzymen abge­baut, die da wären: die soge­nannte Diamin­oxi­dase, DAO abge­kürzt, und die Hist­amin-Methyl­trans­ferase (HMNT).1 Der detail­lierte Abbau biogener Amine wie Hist­amin ist im Artikel über Ursa­chen der Hist­amin­in­to­le­ranz beschrieben worden.

Es gibt Medi­ka­mente, die die Enzyme Diamin­oxi­dase (DAO) oder die Hist­amin-Methyl­trans­ferase (HMNT) beein­flussen, die für den Hist­amin­abbau gebraucht werden. Diese können eine Hist­amin-Into­le­ranz verstärken, weswegen in Rück­sprache mit dem behan­delnden Arzt über Alter­na­tiven nach­ge­dacht werden sollte – insbe­son­dere, wenn schon gene­ti­sche Vari­anten vorliegen, die die Akti­vität dieses Enzyms mindern.

Behand­lung anderer Grund­er­kran­kungen des Magen-Darm-Traktes

Andere Erkran­kungen des Magen-Darm-Traktes können dazu führen, dass vermehrt Hist­amin produ­ziert wird, wie beispiels­weise bei einer Dünn­darm­fehl­be­sie­de­lung (DDFB), bei der es zu einem Über­wuchs von Bakte­rien im Dünn­darm kommt.

Wiederum andere Krank­heiten sorgen dafür, dass weniger Diamin­oxi­dase (DAO) in der Darm­schleim­haut vorliegt als für den Hist­amin­abbau benö­tigt wird. Letz­teres ist der Fall bei gastro­in­tes­ti­nalen Aller­gien und chro­nisch entzünd­liche Darm­er­kran­kungen, die eine Hist­amin­in­to­le­ranz auslösen bzw. verstärken können.2,3

Mit einer entspre­chenden Behand­lung der Grund­er­kran­kungen kann eine Besse­rung der Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit einhergehen.

Co-Faktoren der DAO: B6 und Kupfer?

Vitamin B6 und Kuper sind Co-Faktoren der Diamin­oxi­dase (DAO) und werden gebraucht, damit diese das Hist­amin effi­zient abbauen kann. Unter­su­chungen zur Einnahme bei Hist­amin­in­to­le­ranz fehlen aber bisher.1

Mittels Labor­un­ter­su­chungen im Blut können Mängel bestimmt werden.

Der Nutzen ist bei fehlenden Mängeln meiner Meinung nach eher frag­lich: An den Präpa­raten, die als Co-Faktoren für die DAO gelten und von verzwei­felten Betrof­fenen gekauft werden, verdienen vor allem Nahrungsergänzungsmittelhersteller.

Vitamin B6 bei Histaminintoleranz?

Vitamin B6-Einnahme bei einem Mangel kann sich positiv auswirken, aller­dings sollten regel­mä­ßige Kontrollen bei Supple­men­ta­tion erfolgen, da Vitamin B6 die Umwand­lung von Histidin in Hist­amin fördern kann. Es regt den dafür verant­wort­li­chen Prozess der Hist­amin Decar­b­oxylase an.  Zudem kann das Vitamin B6 in sehr hohen Dosen sogar toxisch wirken und eine Poly­neu­ro­pa­thie auslösen (Nerven­schmerzen, Krib­beln und Brennen vor allen an den Extre­mi­täten wie Händen und Füßen).6

B6 könnte even­tuell auch über seine Bedeu­tung für die Herstel­lung der Amino­säure Taurin eine Rolle bei aller­gi­schen Symptomen spielen.

Kupfer bei Hist­amin­in­to­le­ranz einnehmen?

Als Weitere Co-Faktoren der DAO gelten Kupfer und Vitamin C. Kupfer zur DAO-Opti­mie­rung sollte man auch nicht ohne nach­ge­wie­senen Mangel supple­men­tieren. Einer­seits besteht die Gefahr einer Über­do­sie­rung im Körper und ande­rer­seits kann das Gleich­ge­wicht von Kupfer zu anderen Spuren­ele­menten gestört werden.

Zum Beispiel beein­flussen sich Kupfer- und Zink­spiegel gegen­seitig und können die Aufnahme des jewei­ligen anderen Spuren­ele­mentes verän­dern. Deswegen könnte eine nicht benö­tigte Kupfer­zu­fuhr in Form von Präpa­raten einen viel­leicht vorhan­denen Zink­mangel verschärfen oder fördern.

Zu guter Letzt gibt es eine Kupfer­spei­ch­erkrank­heit namens Morbus Wilson, bei der eine Kupfer­ein­nahme absolut kontra­in­di­ziert ist.

Schematische Darstellung der Behandlungsoptionen bei Histaminintoleranz (von immunoloco)

Behand­lung von Nähr­stoff­män­geln bei Histaminunverträglichkeit

Auf die Nähr­stoff­ein­nahme ist insbe­son­dere bei schwerer Betrof­fenen zu achten – auch bei einge­schränktem Spei­se­plan sollten sich keine Mängel entwi­ckeln. Bestehen schon Mängel, insbe­son­dere weil noch Darm­er­kran­kungen oder andere Proble­ma­tiken die breite Nahrungs­auf­nahme und Nähstoff­re­sorp­tion erschweren, dann sollten diese ausge­gli­chen werden. Dazu gehören insbe­son­dere die übli­chen „Verdäch­tigen“: Vitamin D, Eisen, Zink, Folsäure, B12 oder B6.

Zink bei Histaminintoleranz

Zink­mängel sehe ich in der Praxis immer wieder bei Betrof­fenen mit Darm­er­kran­kungen oder stark einge­schränktem Spei­se­plan. Oftmals fallen bei Hist­amin­in­to­le­ranz eine Viel­zahl tieri­scher Proteine oder andere Nahrungs­mittel weg, die in größeren Mengen Zink enthalten, sodass es schwer ist, den notwen­digen Bedarf zu decken.

Zink kann bei aller­gi­schen Erkran­kungen hilf­reich sein, wie z.B. in einer Studie mit aller­gi­scher Rhinitis (sprich: Heuschnupfen) gezeigt werden konnte.8 Gene­rell scheint Zink wohl den Hist­amin- und Leuko­trie­ne­aus­stoß aus Mast­zellen und Baso­philen zu vermin­dern.9 Das heißt, es kommt zu einer vermin­derten Ausschüt­tung von Boten­stoffen, die verant­wort­lich für die aller­gi­schen Symptome sind. Dadurch kommt es zu einer Besse­rung des Befindens.

DAO-Einnahme (DAOsin®) bei Hist­amin­to­le­ranz – wirksam?

Die für den Hist­amin­abbau notwe­nige Diamin­oxi­dase kann auch supple­men­tiert werden. Die Firma Stada hat ein entspre­chendes Präparat namens DAOsin® auf den Markt gebracht, was auch intensiv für den Einsatz bei Betrof­fenen mit Hist­amin­in­to­le­ranz beworben wird.

Laut einer Studie kann die DAO-Einnahme zu den Mahl­zeiten, bspw. mittels des Präpa­rates DAOsin® eben­falls die Symptome mindern.10 Aller­dings war die Studie sehr klein und ihre Aussa­ge­kraft wird von Experten ange­zwei­felt, sodass diese Empfeh­lung bisher nicht mit in die Leit­linie aufge­nommen wurde.11

Tägliche Einnahme, Dosis und Neben­wir­kungen von DAOsin®

DAOsin® kann laut Packungs­bei­lage täglich einge­nommen werden. Die Höchst­dosis beträgt drei Kapseln am Tag und sollte nicht über­schritten werden. Es sind keine schwer­wie­genden Neben­wir­kungen bekannt geworden. Jedoch liegen nicht viele Unter­su­chungen vor. Daher wird das Produkt nicht gene­rell empfohlen.

Vorsichtig sollten Pati­enten mit einer Mast­zel­l­er­kran­kung und/oder vielen Aller­gien gegen­über Inhalts­stoffen sein und jedes Medi­ka­ment und/oder Nahrungs­er­gän­zungs­mittel auf poten­zi­elle Aller­gene und unver­träg­liche Stoffe genau prüfen.

Anti­hist­ami­nika bei Hist­amin­in­to­le­ranz / Histaminunverträglichkeit

Sind Anti­hist­ami­nika bei Hist­amin­in­to­le­ranz sinn­voll? Ein Anti­hist­ami­nikum (Einzahl) ist ein Medi­ka­ment oder Stoff, der dafür sorgt, dass Hist­amin nicht an den entspre­chenden Rezeptor ando­cken kann – man könnte auch sagen, es ist ein Histamin-Rezeptor-Blocker.

Das Hist­amin ist zwar weiterhin im Körper vorhanden, kann aber nicht seine eigent­liche (bspw. symptom­aus­lö­sende) Wirkung entfalten. Dadurch kommt es zu einer Linde­rung von hist­amin­ver­mit­telten Symptomen wie Naselaufen, Niesen etc.

Es gibt verschie­dene Hist­amin-Rezep­toren im Körper: Da der H1-Rezeptor maßgeb­lich für die aller­gi­schen Symptome des Hist­amins verant­wort­lich ist, sind die klas­si­schen Anti­hist­ami­nika in Regel H1-Blocker.

Zu den H1-Blockern gehören bspw. der Wirk­stoff Lora­tadin (Lorano®) oder Ceti­rizin. Diese können bei „Fehl­tritten“ oder starken Beschwerden, die auf die Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit zurück­zu­führen sind, gegeben werden (auch nach der entspre­chen Leit­linie).11

Für Hist­amin gibt es jedoch verschie­dene Rezep­toren und nicht alle können Stand jetzt medi­ka­mentös blockiert werden. H2-Blocker, die eine Rolle bei der Magen­säu­re­pro­duk­tion spielen, (verschrei­bungs­pflichtig — unter ärzt­li­cher Kontrolle) können versuchs­weise gegeben werden, wenn Sodbrennen/Übelkeit haupt­säch­lich im Vorder­grund stehen.11

Zu den folgenden Versu­chen gibt es (noch) keine eindeu­tigen Empfeh­lungen in der Leit­linie zum Einsatz bei Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit, aber diese werden auch von Pati­enten ausprobiert:

Vitamin C bei Histaminintoleranz

Einer der Schlüs­sel­fak­toren bei den Symptomen von Aller­gien ist oxida­tiver Stress. Einer der stärksten Radi­kal­fänger ist Vitamin C.  Die Rolle von Vitamin C in der Präven­tion von Asth­ma­an­fällen und aller­gi­schen Symptomen wird daher immer wieder diskutiert.

Auch wenn eine Coch­rane-Zusam­men­schau aus dem Jahre 2009 zu dem Schluss kam, dass Vitamin C (noch) nicht zur Behand­lung von Asthma aufgrund unzu­rei­chender Studi­en­lage empfohlen werden kann, so gibt es jedoch Indi­zien, dass sich Vitamin positiv bei aller­gi­schen Geschehen auswirken kann.18

Wie Forscher in einer place­bo­kon­trol­lierten, rando­mi­sierten Studie zeigen konnten, hatte Vitamin C einen Corti­cos­te­roid sparenden Effekt.  D.h. die Asthma-Pati­enten, die 1 Gramm Vitamin C am Tag nahmen, konnten statis­tisch gesehen signi­fi­kant Cortison einsparen und profi­tierten von der Gabe.19

Beson­ders inter­es­sant stellt sich auch die intra­ve­nöse Gabe von Vitamin C dar, bei der supra­phy­sio­lo­gi­sche (so sonst nicht in der Natur vorkom­mende Spiegel) Vitamin C‑Spiegel erreicht werden und vergleichs­weise hohe Dosen gegeben werden können von z.B. 7,5 Gramm (!). Die meisten würden bei einer so hohen Dosis, die über den Magen-Darm-Trakt zuge­führt wird, sehr unan­ge­nehmen Durch­fall bekommen.

Wissen­schaft­liche Unter­su­chungen zu Vitamin C und Histamin

Nach­weis­lich sanken bei Probanden, die intra­ve­nöses Vitamin C erhielten, die Hist­amin-Spiegel im Serum. In einer Obser­va­ti­ons­studie aus dem Jahr 2018 zeigte sich eindrucks­voll, dass Pati­enten mit aller­gi­schen Grund­er­kran­kungen, was ihre Symptome anbe­langte, von den intra­ve­nösen Vitamin C‑Gaben oftmals deut­lich profi­tierten.20,21

Mir persön­lich schlägt oft sehr große Skepsis – gerade auch von Ärzten – entgegen, wenn man diese auf intra­ve­nöses Vitamin C anspricht. Es ist sicher­lich auch kein Allheil­mittel, als das es manchmal hinge­stellt wird, aber ich selbst kenne mitt­ler­weile genü­gend Mast­zell- und Aller­gie­pa­ti­enten denen wirk­lich viel Lebens­qua­lität dadurch zurück­ge­geben wurde. Auch bei mir wirkt es immer wieder verblüf­fend gut.

Manche Pati­enten beschreiben auch, dass gerade eine retar­dierte Form wie CeTeBe® ihnen helfen kann, aller­gi­sche bzw. hist­amin­ver­mit­telte Symptome zu verbes­sern. Bei Personen mit schwerer orga­ni­scher-Säuren-Unver­träg­lich­keit können aber insbe­son­dere orale, aber auch intra­ve­nöse Gaben von Vitamin‑C unver­träg­lich sein.

Inter­esse an mehr Wissen — nur für Abonnenten?

Ab und an, und nur, wenn es etwas Inter­es­santes für dich gibt. Derzeit weniger als einmal pro Monat, aber dafür voll­ge­packt mit Infor­ma­tionen — jeder­zeit abbe­stellbar und kostenlos.

Probio­tika bei Histaminintoleranz

Eine gestörte Darm­bar­riere (teil­weise auch als „leaky gut“ bezeichnet) fördert die Aufnahme von weiteren Aller­genen aus der Nahrung und trägt so zu einer gestei­gerten Entzün­dungs­re­ak­tion des Körpers bei.12 Spielen also aller­gi­sche Reak­tionen der Darm­schleim­haut bei der Hist­amin­in­to­le­ranz noch eine Rolle, so sollte man versu­chen, diese möglichst einzu­dämmen.2

Einige Probio­tika wurden in Studien erfolg­reich einge­setzt bei atopi­schen Ekzemen und waren in der Lage, die Darm­per­mea­bi­lität positiv zu beein­flussen. Darm­per­mea­bi­lität beschreibt in der Medizin die Durch­läs­sig­keit der Darm­schleim­haut. In der komple­men­tären Medizin wird hierfür auch gerne der Begriff „leaky gut“ verwendet.

Ein Probio­tikum, was in einer Unter­su­chung einen posi­tiven Einfluss auf die Darm­schleim­haut gezeigt hat, ist z.B. Lacto­ba­c­illus rham­nosus GG.13 Jedoch ist auch diese Studie heftig kriti­siert worden wegen zu kurzer Unter­su­chungs­dauer, zu wenigen Probanden und metho­di­scher Mängel.14

Bei Probio­tika-Studien besteht oft das Problem, dass die Aussa­ge­kraft begrenzt ist durch das Studien-Design, die geringe Anzahl an Probanden und die fehlende Rando­mi­sie­rung. Teil­weise werden sie durch Probio­tika-Hersteller finan­ziert. Das muss nicht per se schlecht sein, aber gene­rell besteht in der Wissen­schaft ein gewisser „publi­ca­tion bias“ und es wird eben nur das publi­ziert, was funktioniert.

Auch Probio­tika können Hist­amin produzieren

Ich würde bei der Wahl eines Probio­ti­kums darauf achten, dass es kein L. reuteri, kein L. bulga­ricus und kein L. casei enthalten ist – wobei ich ganz klar betonen möchte, dass es wirk­lich auf den Strang (!) und nicht die Spezies ankommt. (Nach­ge­wiesen waren biogene Amine/Hist­amin-Forma­tion für Lacto­ba­c­illus casei (TISTR 389) and Lacto­ba­c­illus delbru­eckii subsp. bulga­ricus (TISTR 895) und nicht für andere Stränge!15Daher ist bei den meisten guten Probio­tika auch der Strang angegeben!

Welche Probio­tika sind sinn­voll bei Histaminintoleranz?

Gene­rell sollten Probio­tika verwendet werden, die antient­zünd­lich wirken und even­tuell sogar das Vermögen haben, Aller­gien entge­gen­zu­wirken, indem sie z.B. den IgE-Rezeptor herun­ter­zu­re­gu­lieren, der bei diesen Erkran­kungen eine Rolle spielt. Ein Beispiel hierfür wäre das Probio­tikum Lacto­ba­c­illus Rham­nosus GG.13,16

In einem Modell mit Ratten haben sich noch Bifi­do­bac­te­rium infantis and Bifi­do­bac­te­rium longum positiv ausge­wirkt (auf das durch Aller­gene herauf­re­gu­lierte Hist­amin-Signa­ling).17 Jedoch stellt sich bei Tier-Modellen immer die Frage, inwie­weit diese auf den Menschen über­tragbar sind.

Diffe­ren­ti­al­dia­gnosen zur Histaminintoleranz

Wenn die Symptome beson­ders stark sind und sich nicht auf hist­amin­hal­tige Speisen zurück­führen lassen, dann sollte man nach Ausschluss anderer inter­nis­ti­scher Erkran­kungen (chro­nisch entzünd­liche Magen-Darm-Erkran­kungen, Dünn­darm­fehl­be­sie­de­lung, andere Into­le­ranzen und Aller­gien) bei multi­sys­te­mi­schen Symptomen even­tuell ein Mast­zel­lak­ti­vie­rungs­syn­drom (kurz: MCAS) in Erwä­gung ziehen.

Behand­lung von gynä­ko­lo­gi­schen Erkrankungen

Behand­lung von prämen­stru­ellem Syndrom (PMS)

Sind die Hist­amin­in­to­le­ranz- Beschwerden sehr stark zyklus­ab­hängig und beson­ders in der zweiten Zyklus­hälfte beson­ders stark ausge­prägt, dann können Behand­lungs­kon­zepte helfen, die das even­tuell bestehende soge­nannte bestehende prämen­stru­elle Syndrom mitberücksichtigen.

Beim prämen­stru­ellen Syndrom kommt es haupt­säch­lich zu Beschwerden wie Brust­spannen, Blähungen sowie Schlaf­lo­sig­keit oder starke Müdig­keit, die nach dem Eisprung in der zweiten Zyklus­hälfte auftreten, aber dann mit dem Eintritt der Blutung verschwinden.4

Behand­lung von Endometriose

Ich sehe nicht nur in meiner Praxis eine anek­do­ti­sche Häufung von Nahrungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­keiten und Endo­me­triose, sondern scheinbar bestehen auch gewisse Zusam­men­hänge, die noch nicht gänz­lich verstanden sind.

Beide Erkran­kungen weisen eine erhöhte Hyper­sen­si­ti­vität aus, das heißt, dass Schmerz- oder andere Reize verstärkt wahr­ge­nommen werden. Auch wenn es even­tuell Hinweise gibt, dass auch die Ernäh­rung bei Endo­me­triose eine Rolle spielt, und nicht nur ein Reiz­darm-Syndrom darüber beein­flusst werden kann, so ist da die Forschung hinsicht­lich der Zusam­men­hänge erst noch am Anfang und daher zurück­hal­tend in Bezug auf Empfeh­lungen.5

Im Austausch mit Betrof­fenen, Ärzten und Spezia­listen in der Behand­lung von chro­ni­schen Unter­bauch­schmerzen, dem Reiz­darm-Syndrom und Endo­me­triose zeigt sich aber, dass einige Pati­en­tinnen mit Endo­me­triose sehr von einer Hist­amin­re­duk­tion zu profi­tieren scheinen.

Was schon an Forschung und anderen Hinweisen in Rich­tung Mast­zell­über­ak­ti­vität, Endo­me­triose und inter­s­ti­ti­elle Zystitis vorhanden ist, ist jedoch aufgrund der Komple­xität in einem geson­derten Artikel zusammengefasst.

Quellen

  1. Maintz L, Novak N. Hist­amine and hist­amine into­le­rance. Am J Clin Nutr. 2007;85(5):1185–1196. doi:10.1093/ajcn/85.5.1185
  2. Raithel M, Küfner M, Ulrich P, Hahn EG. The invol­ve­ment of the hist­amine degra­dation pathway by diamine oxidase in mani­fest gastro­in­tes­tinal aller­gies. Inflamm Res Off J Eur Hist­amine Res Soc Al. 1999;48 Suppl 1:S75-76. doi:10.1007/s000110050414
  3. Petersen J, Raithel M, Schwel­berger HG. Hist­amine N‑methyltransferase and diamine oxidase gene poly­mor­phisms in pati­ents with inflamma­tory and neoplastic intes­tinal dise­ases. Inflamm Res Off J Eur Hist­amine Res Soc Al. 2002;51 Suppl 1:S91-92. doi:10.1007/pl00022464
  4. Royal College of Obst­est­ri­cians and Gynae­co­lo­gists. Manage­ment of Premens­trual Syndrome. BJOG Int J Obstet Gynaecol. 2017;124(3):e73-e105. doi:10.1111/1471–0528.14260
  5. Issa B, Ormesher L, Whor­well PJ, Shah M, Hamdy S. Endo­me­triosis and irri­table bowel syndrome: a dilemma for the gynae­co­lo­gist and gastro­en­te­ro­lo­gist. Obstet Gynaecol. 2016;18(1):9–16. doi:10.1111/tog.12241
  6. Vrolijk MF, Opper­huizen A, Jansen EHJM, Hageman GJ, Bast A, Haenen GRMM. The vitamin B6 paradox: Supple­men­ta­tion with high concen­tra­tions of pyri­do­xine leads to decre­ased vitamin B6 func­tion. Toxicol Vitro Int J Publ Assoc BIBRA. 2017;44:206–212. doi:10.1016/j.tiv.2017.07.009
  7. Jumaan RM. Serum Copper, Zinc and Copper/Zinc Ratio and their Rela­ti­onship to Age and Growth Status in Yemeni Adolescent Girls. Sultan Qaboos Univ Med J. 2008;8(3):291–299. Accessed August 2, 2020. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3074839/
  8. Dewi, Anna M., Setyo­rini, Dian I., Suri­phati. Fron­tiers | The effect of zinc supple­men­ta­tion on the impro­ve­ment of clinical symptoms and the quality of life of persis­tent mode­rate severe allergic rhinitis pati­ents. Accessed July 2, 2020. https://www.frontiersin.org/10.3389/conf.fphar.2018.63.00084/event_abstract
  9. Marone G, Columbo M, de Paulis A, Cirillo R, Giugliano R, Condo­relli M. Physio­lo­gical concen­tra­tions of zinc inhibit the release of hist­amine from human baso­phils and lung mast cells. Agents Actions. 1986;18(1–2):103–106.
  10. Kome­r­icki P, Klein G, Reider N, et al. Hist­amine into­le­rance: lack of repro­du­ci­bi­lity of single symptoms by oral provo­ca­tion with hist­amine: a rando­mised, double-blind, placebo-controlled cross-over study. Wien Klin Wochen­schr. 2011;123(1–2):15–20. doi:10.1007/s00508-010‑1506‑y
  11. Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, et al. German guide­line for the manage­ment of adverse reac­tions to inge­sted hist­amine: Guide­line of the German Society for Aller­go­logy and Clinical Immu­no­logy (DGAKI), the German Society for Pediatric Aller­go­logy and Envi­ron­mental Medi­cine (GPA), the German Asso­cia­tion of Aller­go­lo­gists (AeDA), and the Swiss Society for Aller­go­logy and Immu­no­logy (SGAI). Allergo J Int. 2017;26(2):72–79. doi:10.1007/s40629-017‑0011‑5
  12. Perrier C, Corthésy B. Gut permea­bi­lity and food aller­gies. Clin Exp Allergy J Br Soc Allergy Clin Immunol. 2011;41(1):20–28. doi:10.1111/j.1365–2222.2010.03639.x
  13. Grüber C, Wendt M, Sulser C, et al. Rando­mized, placebo-controlled trial of Lacto­ba­c­illus rham­nosus GG as treat­ment of atopic derma­titis in infancy. Allergy. 2007;62(11):1270–1276. doi:10.1111/j.1398–9995.2007.01543.x
  14. Rhein, A. LACTO­BA­C­ILLUS GG BEI ATOPI­SCHER DERMA­TITIS? — arznei tele­gramm. Accessed June 29, 2020. https://www.arznei-telegramm.de/html/2004_05/0405050_01.html
  15. Deepika Priya­darshani WM, Rakshit SK. Scree­ning selected strains of probiotic lactic acid bacteria for their ability to produce biogenic amines (hist­amine and tyra­mine): Scree­ning selected strains of probiotic lactic acid bacteria. Int J Food Sci Technol. 2011;46(10):2062–2069. doi:10.1111/j.1365–2621.2011.02717.x
  16. Spiller R. Review article: probio­tics and prebio­tics in irri­table bowel syndrome. Aliment Phar­macol Ther. 2008;28(4):385–396. doi:10.1111/j.1365–2036.2008.03750.x
  17. Dev S, Mizu­guchi H, Das AK, et al. Suppres­sion of Hist­amine Signa­ling by Probiotic Lac‑B: a Possible Mecha­nism of Its Anti-allergic Effect. J Phar­macol Sci. 2008;107(2):159–166. doi:10.1254/jphs.08028FP
  18. Kaur B, Rowe BH, Arnold E, Arnold E. Vitamin C supple­men­ta­tion for asthma. Coch­rane Data­base Syst Rev. 2009;2009(1). doi:10.1002/14651858.CD000993.pub3
  19. Fogarty A, Lewis SA, Scri­vener SL, et al. Corti­cos­te­roid sparing effects of vitamin C and magne­sium in asthma: a rando­mised trial. Respir Med. 2006;100(1):174–179. doi:10.1016/j.rmed.2005.03.038
  20. Hagel AF, Layritz CM, Hagel WH, et al. Intra­venous infu­sion of ascorbic acid decre­ases serum hist­amine concen­tra­tions in pati­ents with allergic and non-allergic dise­ases. Naunyn Schmie­de­bergs Arch Phar­macol. 2013;386(9):789–793. doi:10.1007/s00210-013‑0880‑1
  21. Voll­bracht C, Raithel M, Krick B, Kraft K, Hagel AF. Intra­venous vitamin C in the treat­ment of aller­gies: an interim subgroup analysis of a long-term obser­va­tional study. J Int Med Res. 2018;46(9):3640–3655. doi:10.1177/0300060518777044

Review: Gernot Ortmanns

www | + posts

Heil­prak­ti­kerin in eigener Praxis, Hypnose­the­ra­peutin, Besit­zerin eines verrückten Immun­sys­tems mit auto­im­munen Spezi­al­ef­fekten, die sie nach ihrem Studium mit eben­sol­cher Hingabe medi­zi­ni­sche anstatt wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand­lungen wälzen lassen. Wenn ihre Gelenke und Mast­zellen es zulassen: begeis­terte Heimwerkerin.

Immunoloco unterstützen

immunoloco möchte Betroffenen kostenlos gute und hilfreiche Informationen rund um ein verrücktes Immunsystem bieten. Du findest das gut? Dann unterstütze immunoloco und meine Arbeit doch gerne durch eine kleine Spende. 

Schreibe einen Kommentar