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3 umstrit­tene Amino­säuren bei Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit & MCAS

Zuerst der Hinweis, dass eine ausrei­chende Zufuhr von Eiweiß und vor allen Dingen essen­zi­ellen Amino­säuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann, absolut lebens­not­wendig und für die Gesund­heit unab­dingbar ist. Gerade bei Pati­enten, die aufgrund eines Mast­zel­lak­ti­vie­rungs­syn­drom (MCAS) oder bestehender Nahrungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­keiten nur einge­schränkt Nahrungs­mittel zu sich nehmen, ist auf eine ausrei­chende Aufnahme von Eiweiß und vor allem essen­zi­ellen Amino­säuren zu achten.

Jedoch sollten manche Amino­säuren bei Hist­amin­in­to­le­ranz-Syndrom (HIS) oder MCAS nur mit Bedacht zusätz­lich einge­nommen werden. Vorsichtig sein sollte man mit Histidin und N‑Acetyl-Cystein (als stabi­li­sierte Form der Amino­säure Cystein).

Eben­falls sollte in Betracht gezogen werden, dass die Amino­säuren Lysin, Orni­thin und Tyrosin durch bakte­ri­elle Fäul­nis­pro­zesse in Cada­verin, Putre­scin und Tyramin umge­baut werden können, die insbe­son­dere bei einer biogene Amine-Into­le­ranz, die häufig mit einer Hist­amin­in­to­le­ranz verge­sell­schaftet ist, proble­ma­tisch sein können.1

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Histidin bei Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit & MCAS

Aus Histidin entsteht als Abbau­pro­dukt der Histidin Decar­b­oxylase Hist­amin im Körper. Dieses Hist­amin muss dann über die Diamin­oxi­dase (DAO) und Hist­amin-Methyl­trans­ferase und in selte­neren Fällen zu einem kleinen Teil auch über die Monoa­mi­nooxi­dase B (MAO) abge­baut werden. Diese Prozesse sind genau beschrieben in dem Artikel zu den Ursa­chen von Histaminintoleranz.

Histaminsynthese im Körper aus L-Histidin und Histaminabbau via DAO & HNMT - schematische Darstellung
Hist­amin­abbau via DAO & HNMT

Eine zusätz­liche Zufuhr von Histidin über das Normalmaß hinaus, ist somit in der Lage den Hist­amin­spiegel im Körper zu erhöhen. In der Regel muss diese Amino­säure nicht zusätz­lich einge­nommen werden, da sie zumeist ausrei­chend in einer ausge­wo­genen Ernäh­rung vorhanden ist.2

Wie viel Histidin benö­tigt man am Tag?

Histidin gehört zu den essen­zi­ellen Amino­säuren und kann somit von Körper nicht herge­stellt werden. Mindes­tens 8–12mg/kg Histidin pro Tag werden benö­tigt, um gesund zu bleiben. Bei normaler Ernäh­rungs­weise werden in Europa zwischen 2,12 und 2,40g pro Tag aufge­nommen.3

Außerdem spielt das Abbau­pro­dukt Hist­amin der Amino­säure im Körper auch eine wich­tige Rolle und ein zu nied­riger Hist­amin­spiegel erweist sich eben­falls als proble­ma­tisch für die Gesundheit.

N‑Acetyl-Cystein (NAC bzw. ACC®): Poten­zial für Nebenwirkungen

N‑Acetyl-Cystein ist ein Radi­kal­fänger (Anti­oxi­danz), welches nach Deace­tyl­ie­rung in der Leber die Amino­säure Cystein frei­setzt. Diese Amino­säure wird zur Bildung von Glutathion, einem weiteren wich­tigen Anti­oxi­danz, benö­tigt.4 Sie ist in Deutsch­land bekannt als der Husten­löser ACC® aus der Apotheke.

Aspirin

NAC wird vor allen Dingen als Schleim­löser bei Bron­chitis einge­setzt, zeigte aber auch in Tier­mo­dellen Erfolge bei der Verrin­ge­rung von Lipidper­oxi­da­tion, bei der es zur Zell­schä­di­gung durch freie Radi­kale kommt und die bei der Arte­rio­skle­rose eine beacht­liche Rolle spielt.4

N‑Acetyl-Cystein verbes­serte außerdem auch den Gesund­heits­status von Rheu­ma­toide-Arthritis-Pati­enten in einer klei­neren, doppel­blinden und rando­mi­sierten Studie.5

Neben den posi­tiven Wirkungen die NAC bei entzünd­li­chen Erkran­kungen aufgrund seiner anti­oxi­da­tiven und anti­fi­bro­ti­schen Wirkung haben könnte, kann es jedoch für eine erhöhte Hist­amin­frei­set­zung aus Mast­zellen sorgen.6

Bei Unter­su­chungen an Menschen fanden sich nach intra­ve­nöser NAC-Gabe nur bei einem Teil der Probanden erhöhte Hist­amin­werte. Diese Erhö­hung war nur bei denje­nigen messbar vorhanden, die über Neben­wir­kungen klagten.7

Aufgrund der antient­zünd­li­chen und immun­ba­lan­cie­renden Eigen­schaften, die N‑Acetylcystein zu haben scheint, ist somit immer abzu­wägen, inwie­fern man es bei Mast­zell- oder Hist­amin-vermit­telten Erkran­kungen einsetzen kann.8 Diese Abwä­gung sollte im Austausch mit medi­zi­ni­schem Fach­per­sonal erfolgen.

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Lysin bei Hist­amin­in­to­le­ranz & MCAS: als unpro­ble­ma­tisch einzuschätzen

Lysin wird gerade in der komple­men­tären Medizin gerne einge­setzt zur Prophy­laxe bei rezi­di­vie­renden Herpes­in­fek­tionen. Es ist eine essen­zi­elle Amino­säure, die ausrei­chend über die Nahrung aufge­nommen werden sollte.

In einem Expe­ri­ment mit mensch­li­chen Mast­zellen zeigte Lysin-Lösung eine Beein­flus­sung von Haut­mast­zellen, aber keine Reak­tionen von Lungen‑, Darm- oder ander­weitig loka­li­sierten Mast­zellen im Menschen.9,10

Somit ist davon auszu­gehen, dass diese Amino­säure nur sehr unwahr­schein­lich proble­ma­tisch für Menschen mit aller­gi­schen Erkran­kungen ist: Am besten wäre eine geeig­nete Zufuhr über die Nahrung, sodass keine zusätz­liche Einnahme erwogen werden muss.

Wichtig ist darauf zu achten, dass Eiweiß und somit häufig auch lysin­reiche Nahrungs­mittel frisch verar­beitet werden, damit der Abbau von Lysin zu dem Eiweiß­fäul­nis­stoff Cada­verin verhin­dert wird. Cada­verin (1,5 Diami­nopentan) ist ein gesund­heits­schäd­li­ches biogenes Amin und riecht sehr unan­ge­nehm.11

Es versteht sich von selbst unan­ge­nehm riechende Eiweiß­pro­dukte nicht mehr zu sich zu nehmen, sondern der Verwer­tung zuzuführen.

Tyrosin in HIS & MCAS

Die nicht essen­zi­elle Amino­säure L‑Tyrosin entsteht aus der essen­zi­ellen Amino­säure Phenyl­alanin. Tyrosin wird im mensch­li­chen Körper benö­tigt für die Herstel­lung von Schild­drü­sen­hor­monen (L‑Thyroxin) und von verschie­denen Hirn­bo­ten­stoffen (Neuro­trans­mit­tern) wie Dopamin und Noradrenalin.

Tyrosin an sich enthält kein Hist­amin, aber wenn es von Bakte­rien verstoff­wech­selt wird, dann entsteht Tyramin. Dieses biogene Amin macht häufig Probleme bei Hist­amin- bzw. Biogene-Amine-Unverträglichkeit.

Da Mast­zellen durch Neuro­trans­mitter eben­falls beein­flusst werden, sollte man auf eine zurei­chende Zufuhr von Eiweißen und Amino­säuren wie L‑Phenylalanin achten, die für eine gute Neuro­trans­mitter-Versor­gung benö­tigt werden. In der Regel ist dann keine zusätz­liche Tyrosin-Einnahme von Nöten.

Quellen

1. Biogene Amine — Chemie.de Lexikon. Accessed August 12, 2021. https://www.chemie.de/lexikon/Biogene_Amine.html

2. Gesund­heit­liche Bewer­tung von Amino­säuren — BfR. Accessed August 12, 2021. https://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_bewertung_von_aminosaeuren-54420.html

3. Moro J, Tomé D, Schmi­dely P, Demersay T‑C, Azzout-Marniche D. Histidine: A Syste­matic Review on Meta­bo­lism and Physio­lo­gical Effects in Human and Diffe­rent Animal Species. Nutri­ents. 2020;12(5). doi:10.3390/nu12051414

4. Gillissen A. N‑Acetylcystein: Neue Erkennt­nisse zu einem bewährten Wirk­stoff. Phar­ma­zeu­ti­sche Zeitung online. Accessed August 16, 2021.

5. Batooei M, Taha­moli-Roudsari A, Basiri Z, et al. Evalua­ting the Effect of Oral N‑acetylcysteine as an Adju­vant Treat­ment on Clinical Outcomes of Pati­ents with Rheu­ma­toid Arthritis: A Rando­mized, Double Blind Clinical Trial. Rev Recent Clin Trials. 2018;13(2):132–138. doi:10.2174/1574887113666180307151937

6. Barrett KE, Minor JR, Metcalfe DD. Hist­amine secre­tion induced by N‑acetyl cysteine. Agents Actions. 1985;16(3–4):144–146. doi:10.1007/BF01983123

7. Waring WS, Bateman D. Hist­amine release is the asso­ciated mecha­nism following acetyl­cys­teine adverse reac­tion in man. Clinical Toxi­co­logy. 2008;46:396.

8. Wang J, Jin Q, Hu Z, Zhou H. The effects of N‑acetylcysteine on the Th1/Th2 ratio in elderly pati­ents with chronic obst­ruc­tive pulmo­nary disease. :6.

9. Lowman MA, Rees PH, Benyon RC, Church MK. Human mast cell hete­ro­gen­eity: Hist­amine release from mast cells dispersed from skin, lung, adenoids, tonsils, and colon in response to IgE-depen­dent and nonim­mu­noiogic stimuli. Published online 1988:8.

10. Padawer J. The reac­tion of rat mast cells to poly­ly­sine. J Cell Biol. Published online 1970:352.

11. Hirai K. ÜBER DIE BILDUNG VON CADA­VERIN AUS d‑LYSIN DURCH BACILLUS LACTIS AERO­GENES. The Journal of Bioche­mi­stry. 1939;29(3):435–438. doi:10.1093/oxfordjournals.jbchem.a125822

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Heil­prak­ti­kerin in eigener Praxis, Hypnose­the­ra­peutin, Besit­zerin eines verrückten Immun­sys­tems mit auto­im­munen Spezi­al­ef­fekten, die sie nach ihrem Studium mit eben­sol­cher Hingabe medi­zi­ni­sche anstatt wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand­lungen wälzen lassen. Wenn ihre Gelenke und Mast­zellen es zulassen: begeis­terte Heimwerkerin.

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2 Kommentare

  1. Liebe Lisa.
    Wieder ein mit Wissen gefüllter Beitrag über umstrit­tene Aminosäuren.
    Jetzt verstehe ich vieles viel besser, das Aufzeigen der auch proble­ma­ti­schen Bestand­teile, die nach Umwand­lungen entstehen, ist inter­es­sant und macht mich bewusster im Umgang mit bestimmten Lebensmitteln…
    Danke. Dir einen schönen Tag.LG

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