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Bezie­hungs­tipps für das Leben mit chro­nisch krankem Partner

Als Thera­peutin, aber auch Betrof­fene mit mehreren chro­ni­schen Erkran­kungen, ist es mir ein großes Anliegen, nicht nur Betrof­fenen, sondern auch deren Part­nern eine Hilfe­stel­lung zu geben, wie eine gute und erfül­lende Bezie­hung auch mit einer schweren chro­ni­schen Erkran­kung gelingen kann.

Wichtig ist, dass die Krank­heit nicht zum allum­fas­senden Thema in der Bezie­hung wird, die keinen Raum mehr lässt für Zwei­sam­keit, gemein­same Erfah­rungen und die Probleme des gesunden Parts in der Bezie­hung. Wert­schät­zende Kommu­ni­ka­ti­ons­struk­turen sollten hier aufge­baut werden. Dies kann folgen­der­maßen gelingen:

1.   Feste „Kommu­ni­ka­ti­ons­dates“, bei dem jeder 15 Minuten lang anspre­chen kann, was ihn/sie bedrückt

Es kann sehr helfen, einen festen Termin zu verein­baren, an dem jeder dem jewei­ligen anderen Partner eine Vier­tel­stunde zuhört, ohne dass man sich gegen­seitig unter­bricht. Zu oft kommt es im Alltag dazu, dass Sorgen und Gedanken des anderen „unter den Tisch“ fallen. Dies geschieht oft gar nicht bewusst: Jeder ist so in seine Proble­matik vertieft, dass nicht bemerkt wird, wie abrupte Themen­wechsel oder das Hinweg­gehen über das Gesagte den anderen verletzen können.

Feste Rede­zeiten helfen dabei, dass Gefühl ohne Unter­bre­chung ausge­drückt und auch komple­xere Gedan­ken­gänge darge­legt werden können. Dies gilt insbe­son­dere auch für den gesunden Partner mit seinen viel­leicht manchmal „etwas klein wirkenden“ Problemen neben der Erkran­kung. Wichtig ist hierbei, dass das nicht ausartet in Vorwürfe wie: „Ich kann mein Leben nicht führen, weil du krank bist.“

Gleich­wohl muss es der kranke Partner aushalten, wenn der Lebens­ge­fährte oder die Lebens­ge­fährtin einem wider­spie­gelt, dass ihn oder sie die Krank­heit belastet. Das Ausspre­chen zu dürfen, sollte explizit erlaubt sein – jedoch sollte es nicht als Waffe miss­braucht werden, um mittels direkter oder indi­rekter Vorwürfe dem anderen ein schlechtes Gewissen zu machen.

2.   Über­for­de­rung klar anspre­chen und nach gemein­samen Lösungen suchen

Wichtig ist, dass man Über­for­de­rung anspricht, da diese sich sonst schnell zu Frust aufstaut, der die Bezie­hung negativ beein­flusst. Über­for­de­rung sollte nicht ankla­gend formu­liert werden und am besten nicht ange­spro­chen werden, wenn der Partner beson­ders stark von Schmerzen geplagt ist oder ihn bzw. sie Angst und Verzweif­lung aufgrund der gerade beson­ders anstren­genden Lebens­si­tua­tion über­kommen hat.

In so einer Situa­tion soll­test du, auch wenn es schwer­fällt, versu­chen für den Partner da zu sein und die Proble­matik in einer ruhi­geren Minute anzu­spre­chen, da in dieser Situa­tion ein hohes Poten­tial dafür besteht, dass das Gespräch eska­liert und in gegen­sei­tige Vorwürfe ausartet.

So sollte das besser nicht aussehen…

3.   Krank­heits­freie Urlaubs­stunden festlegen

Häufig kommt es im Laufe der Erkran­kung dazu, vor allem in Phasen in denen die Krank­heits­ak­ti­vität hoch ist oder die Erkran­kung fort­schreitet, dass das Leben um und mit der Krank­heit zum allge­gen­wär­tigen Thema wird: Wie soll es weiter­gehen, wenn es schlimmer wird? Was kann man noch tun?

Diese Fragen sind alle hilf­reich, aber sobald die Gespräche darüber in Grübel-Prozesse ohne Ergebnis ausarten, sollte man diese Kraft­räuber unterbinden.

Es hilft Urlaubs­stunden fest­zu­legen, in denen man die Erkran­kung nicht thema­ti­siert: Man nimmt sich damit eine Auszeit vom Krank­heits­alltag. Ich weiß, dass das nicht immer einfach umzu­setzen ist – daher gibt es dazu noch mehr Tipps im nächsten Punkt. 😉

4.   Gemein­same Akti­vi­täten planen, die für beide Partner möglich sind

Oftmals fragen mich Paare, was sie noch gemeinsam machen können, wenn doch die Krank­heit alles über­schattet – so kann der eine eben nicht mehr wandern, Rad fahren, ausgehen oder ist im schlech­testen Fall ans Bett gefesselt.

Dann gilt es, kreativ zu werden und sich gezielt Dinge zu suchen, die beide gemeinsam gut unter­nehmen können und sei es nur gemeinsam zusam­men­ge­ku­schelt auf dem Sofa zu liegen und sich Tier­filme anzusehen.

Eine andere Möglich­keit kann sein, gemeinsam ein Buch zu lesen – entweder ihr lest euch gegen­seitig vor, oder beide Parteien lesen es unab­hängig vonein­ander und unter­halten sich darüber.

Eben­falls halte ich es für beson­ders wichtig, dass man sich auch einfach einmal in den Arm nimmt, einander hält und wieder lernt, Zwei­sam­keit zu spüren. Regel­mä­ßiges Kuscheln hat nach­weis­lich einen posi­tiven Effekt auf die Zufrie­den­heit beider Partner in einer Bezie­hung. [q]

Abbildung der Tipps 1 bis 5 für eine Paarbeziehung, die durch eine chronische Erkrankung belastet ist
Tipps für eine Paar­be­zie­hung bei Krankheit

5.   Akti­vi­täten wieder aufnehmen, die man gerne macht – auch wenn der Partner sie nicht mehr mitma­chen kann

Gleich­zeitig tun sich Partner schwer, vormals gemein­same Hobbys weiter auszu­leben, wenn der Lebens­ge­fährte oder die Lebens­ge­fährtin diese Akti­vi­täten nicht mehr mit ausleben kann. Hier möchte ich ein Plädoyer dafür ausspre­chen, es trotzdem zu tun, auch wenn es beiden Parteien schwer­fällt und es auch anfangs zu unan­ge­nehmen Gefühlen kommen kann.

So kann es dazu kommen, dass sich der „verhin­derte“ Partner mit Neid­ge­fühlen erfüllt sieht oder der ausle­bende Hobbyist mit einem schlechten Gewissen. Diesen Gefühlen kann man jedoch gut gedank­lich entge­gen­setzen, dass es der Bezie­hung deut­lich besser bekommt, wenn beide Partner möglichst ausge­gli­chen sind.

Zudem wäre es unfair, dem “gesunden” den glei­chen Lebens­stil aufzu­zwingen, den man als erkrankter Mensch selbst nicht für sich mag.

Als gesunder Partner gilt es da, etwas Finger­spit­zen­ge­fühl einzu­setzen – viel­leicht kann es dein Herz­blatt noch nicht gut aushalten, wenn du von dem groß­ar­tigen Tennis­tur­nier schwärmst, das du sonst immer mit ihm oder ihr zusam­men­ge­spielt hast – das soll­test du dann respek­tieren. Oftmals verlieren Menschen mit chro­ni­schen Erkran­kungen auch ein Teil ihres Selbst­wert­ge­fühls, wenn sie vieles nicht mehr ausleben können.

Keines­falls aber sollte man aber dafür Buße tun müssen oder bestraft werden, dass man seinen Hobbys nach­geht. Dies sollte ange­spro­chen werden – unter Umständen auch mittels thera­peu­ti­scher Hilfe.

6.   Mitge­fühl empfinden — ohne mitzuleiden.

Oftmals ist es für den Erkrankten und womög­lich sogar arbeits­un­fä­higen Partner unglaub­lich schwer, positiv nach vorne zu schauen oder die Gegen­wart zu genießen, da eine Erkran­kung oftmals eine gravie­rende Einschrän­kung der Lebens­um­stände bedeutet. Die sich verän­dernden Umstände fügen oft beiden Parteien großen Schmerz zu.

Manchmal hast du viel­leicht das Gefühl, dass deine Fürsorge und Unter­stüt­zung gar nicht wahr­ge­nommen oder wert­ge­schätzt werden. Ich kann gut verstehen, dass das sehr frus­trie­rend sein kann. Daher soll­test du das dann anspre­chen – siehe die vorhe­rigen Punkte.

Eben­falls kann es helfen, dir einmal vorzu­stellen, wie sich dauer­hafter Schmerz anfühlt und wie deine Welt zusam­men­schrumpft, wenn du auf einmal bspw. bett­lä­gerig wärst. Mitge­fühl zu empfinden, kann helfen, auch über den Ärger einmal hinweg­zu­sehen – gleich­zeitig soll­test du dich auch nicht in Mitleid stürzen. Das hilft keinem von euch beiden, da es den Schmerz oftmals nur vergrößert.

7.   Kümmere dich um deine mentale Gesundheit!

Um die oben genannten Punkte umsetzen zu können, ist es wichtig, dass du dich auch um deine mentale Gesund­heit kümmerst und wenn du merkst, dass die Situa­tion zu belas­tend für dich wird, du dir auch nicht zu schade bist, Hilfe zu suchen.

Thera­peu­ti­sche Hilfe in Angriff zu nehmen ist oftmals ein wich­tiger Schritt in Rich­tung eines zufrie­de­neren Lebens und einer erfüll­teren Part­ner­schaft – auch bei widrigen Umständen.

Hier verlinke ich dir den Beitrag, den ich mit mehr Fokus auf den chro­nisch erkrankten Part in der Bezie­hung geschrieben habe. Dieser liefert noch weitere Tipps. Ich wünsche dir bzw. euch viel Kraft und Stärke.

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Heil­prak­ti­kerin in eigener Praxis, Hypnose­the­ra­peutin, Besit­zerin eines verrückten Immun­sys­tems mit auto­im­munen Spezi­al­ef­fekten, die sie nach ihrem Studium mit eben­sol­cher Hingabe medi­zi­ni­sche anstatt wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand­lungen wälzen lassen. Wenn ihre Gelenke und Mast­zellen es zulassen: begeis­terte Heimwerkerin.

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2 Kommentare

  1. Liebe Lisa.

    Danke für den hilf­rei­chen Artikel. Respekt, Finger­spit­zen­ge­fühl und mentale Gesund­heit, eigene Frei­räume und immer wieder reden, reden und reden… ich werde mir das zu Herzen nehmen. Krank­heits­freie Zonen erschaffen, d.h. nicht über das Thema zu spre­chen, hat mir gut gefallen… Einfach nur kuscheln… Dank dir für deine Arbeit und Inspi­ra­tion. LG Eri

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