header2

Hist­amin­in­to­le­ranz: Alles zu Tests und Diagnostik

Die Diagnose der Hist­amin­in­to­le­ranz ist allein deswegen nicht einfach, weil ein Zuviel an Hist­amin auch bei gesunden Menschen Symptome hervor­ruft- Die Frage ist also immer, ob die beob­ach­tete Reak­tion in einem adäquaten Verhältnis zur Hist­amin­dosis steht.

Folgende Test werden bei Hist­amin­in­to­le­ranz ange­wandt, wobei manche derzeit wissen­schaft­lich noch umstritten sind und nach Leit­linie nicht empfohlen werden:

  • Hist­amin­pro­vo­ka­ti­ons­tes­tung mit einer Histaminlösung
  • DAO-Messung im Blut (umstritten)
  • Hist­amin-50-Prick­test (eher selten verwendet)
  • Auslass­ver­such: Hist­amin-Elimi­na­ti­ons­diät (in Leit­linie empfohlen)1
  • Gene­ti­sche Tests auf DAO- und HMNT-Varianten

Hist­amin­pro­vo­ka­ti­ons­tes­tung

In manchen Spezi­al­am­bu­lanzen wird eine Hist­amin­pro­vo­ka­ti­ons­tes­tung durch­ge­führt, indem man den Probanden eine Lösung mit einer defi­nierten, vom Gewicht abhän­gigen, Hist­amin­menge zu trinken gibt. Die Gefahr für lebens­be­droh­liche Reak­tionen (Zuschwellen der Atem­wege, Blut­druck­ab­fall) ist jedoch nicht von der Hand zu weisen und die Aussa­ge­kraft dieses Tests ist dadurch einge­schränkt, dass jeder Mensch auf Hist­amin reagiert – die Frage ist nur wie stark. Auch der vorhe­rige Konsum von Alkohol, hist­amin­rei­cher Nahrung oder anderer biogener Amine kann das Test­ergebnis verfälschen.

Die deut­sche Leit­linie für Hist­amin­in­to­le­ranz sieht eine Hist­amin-Provo­ka­ti­ons­tes­tung even­tuell als hilf­reich für die Diagno­se­stel­lung an, wenn die Ernäh­rungs­um­stel­lung erfolg­reich war.1

DAO-Messung im Blut

Die Diamin­oxi­dase (DAO) baut das haupt­säch­lich aus der Nahrung anfal­lende Hist­amin im Magen-Darm-Trakt ab und kommt deswegen norma­ler­weise vor allem in der Darm­schleim­haut vor (siehe Ursa­chen der Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit).

Daher wird teil­weise zur Diagnose der Diamin­oxi­dase-Spiegel bzw. die DAO-Akti­vität im Blut heran­ge­zogen. Aller­ding wird in der aktu­ellen Leit­linie zur Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit diese Messung als nicht ausrei­chend evidenz­ba­siert ange­sehen und daher nicht empfohlen.1

Es ist nach jetzigem Stand auch noch nicht eindeutig geklärt, inwie­fern die Höhe bzw. Akti­vität der Diamin­oxi­dase im Blut mit dem Vorkommen der Diamin­oxi­dase im Darm, wo die DAO benö­tigt wird, zusammenhängt.

In Studien war der DAO-Wert bei Probanden der Kontroll­gruppe ohne Symptome einer Hist­amin­in­to­le­ranz zum Teil eben­falls unter dem defi­nierten Grenz­wert. Die Ergeb­nisse zur Aussa­ge­kraft von DAO-Messungen im Blut vari­ieren von Studie zu Studie und Thera­peuten schätzen die Aussa­ge­kraft der DAO-Bestim­mung sehr unter­schied­lich ein.1Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.1

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

Hist­amin-50-Prick­test

Bei soge­nannten Prick­tests beim Aller­go­logen wird in der Regel immer ein Test­feld mit Hist­amin gesetzt. Dieses dient als Vergleich für eine Reak­tion auf einen der anderen getes­teten Stoffe. Man geht hier also davon aus, dass Hist­amin in der Regel eine entspre­chende Haut­re­ak­tion, z.B. die Bildung einer Quaddel, hervor­ruft. Dieses „Test­feld“ auf der Haut dient dann als Kontrolle.

Beim Hist­amin-50-Prick­test wird die Hist­amin­quaddel aus einem Allergie-Prick­test nach 50 Minuten noch einmal beur­teilt. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass die Größe der Quad­deln durch den Abbau des Hist­amins über die Zeit abnehmen sollte. Eine unver­än­derte Größe würde daher für eine Hist­amin­ab­bau­stö­rung spre­chen.1

Hist­amin-Elimi­na­ti­ons­diät: der beste Test bisher und zugleich eine Therapie

Bei der Hist­amin-Elimi­na­ti­ons­diät werden über einen Zeit­raum von 14 Tagen hist­amin­reiche Nahrungs­mittel konse­quent vermieden. Führt dies zu einer deut­li­chen Verbes­se­rung der Symptome, dann kann man von einer Hist­amin­in­to­le­ranz ausgehen. In einem zweiten Schritt sollte danach der Spei­se­plan Stück für Stück erwei­tert werden, sodass man sich an das indi­vi­duell verträg­liche Niveau an Hist­amin heran­tasten kann. 1,2

Bei einer strengen Elimi­na­ti­ons­diät kann es zudem auch sinn­voll sein, andere Nahrungs­mittel mit biogenen Aminen wegzu­lassen, da diese eben­falls die glei­chen Abbau­wege des Körpers benö­tigen, wie das Histamin.

Abbau von Histamin und biogenen Aminen
Abbau von Hist­amin und biogenen Aminen

Gene­ti­sche Tests bei Verdacht auf Histaminabbaustörungen

Bei starken Beschwerden werden teil­weise gene­ti­sche Unter­su­chungen durch­ge­führt, um zu schauen, ob schon von Geburt an Varia­tionen in den Genen, die für den Hist­amin­abbau im Körper mit verant­wort­lich sind, vorliegen. Diese Varia­tionen, im Fach­jargon Poly­mor­phismen genannt, kommen natür­li­cher­weise vor und viele sind nicht als krank­haft (patho­lo­gisch) einzustufen.

Bestimmte gene­ti­sche Varia­tionen im DAO-Gen, zum Beispiel in den Sequenz­va­ri­anten rs2052129, rs2268999, rs1049742 und rs10156191 gehen mit einer vermin­derten DAO-Akti­vität einher und somit kann der Körper schlechter das anfal­lende Hist­amin abbauen.3–5

Neben der Diamin­oxi­dase wird Hist­amin auch noch über die Hist­amin-Methyl­trans­ferase, kurz HMNT, abge­baut. Auch hier können Poly­mor­phismen vorliegen. Der Genotyp HNMT C314Tsorgt für eine zwischen 30 und 50 % redu­zierte Akti­vität der Hist­amin-Methyl­trans­ferase und kommt z.B. auch gehäufter bei Menschen mit Aspirin-Unver­träg­lich­keit vor.6,7

Je nach Ursache des Hist­amin­in­to­le­ranz-Syndroms (HIS) sind dann auch die Behand­lungs­an­sätze verschieden. Bei gene­ti­schen Poly­mor­phismen ist es oftmals sinn­voll darauf zu achten, die hist­amin­ab­bau­enden Enzyme DAO und HNMT nicht noch zusätz­lich durch Medi­ka­mente, soweit vermeidbar, in ihrer Akti­vität zu blockieren.

Hist­amin im Stuhl: unspe­zi­fisch und eher ein Dysbiose-Marker

Hist­amin im Stuhl ist gene­rell kein spezi­fi­scher Marker für die Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit, da es Hist­amin oder andere biogene Amine-bildende Bakte­rien im Darm geben kann, die je nach Zusam­men­set­zung oder bei einem Über­wuchs hohe Hist­amin­werte im Stuhl produ­zieren können.8

Ein hoher Hist­amin­wert im Stuhl spricht daher eher für eine even­tuell ungüns­tige Zusam­men­set­zung der Darm­flora und muss nicht zwangs­läufig mit einer Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit einher­gehen. Ein Über­wuchs mit Hist­amin bildenden Bakte­rien kann aber das anfal­lende Hist­amin im Körper erhöhen und dadurch dann die Abbau­ka­pa­zität über­lasten. Dies kann dann wiederum zu hist­amin­ver­mit­telten Symptomen führen.8

Methyl­hist­amin im Urin: erhöht bei gastro­in­tes­ti­nalen Aller­gien und Mastzellerkrankungen

Methyl­hist­amin im Urin ist eben­falls kein spezi­fi­scher Marker für die Hist­amin­in­to­le­ranz und ist nicht für die Diagnostik einer Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit geeignet. Viel­mehr kann ein erhöhter Methyl­hist­amin­wert für das Vorliegen einer Allergie im Magen-Darm-Trakt und/oder für eine Mast­zel­l­er­kran­kung, wie das Mast­zel­lak­ti­vie­rungs­syn­drom (MCAS) oder die Masto­zy­tose, spre­chen.9

Inter­esse an mehr Wissen — nur für Abonnenten?

Ab und an, und nur, wenn es etwas Inter­es­santes für dich gibt. Derzeit weniger als einmal pro Monat, aber dafür voll­ge­packt mit Infor­ma­tionen — jeder­zeit abbe­stellbar und kostenlos.

Betrof­fene von Hist­amin­un­ver­träg­lich­keit sind meist weiblich

Rund 80 % der von Hist­amin­in­to­le­ranz betrof­fenen Pati­enten sind weib­lich und oftmals zwischen 25 und 45 Jahre alt.2 Betrof­fene Frauen berichten häufig über eine Zyklus­ab­hän­gig­keit ihrer Beschwerden, sodass eine Verbin­dung zu den Geschlechts­hor­monen nahe­lie­gend ist.1

Bei schweren zyklus­ab­hän­gigen Beschwerden verschreiben Gynä­ko­logen, dann teil­weise „die Pille“ im Lang­zeit­zy­klus zur Regu­lie­rung oder Unter­bin­dung des Zyklus. Es kommt jedoch nicht selten vor, dass orale Anti­kon­zep­tiva (also „die Pille“) nicht gut vertragen werden.

In der Schwan­ger­schaft kann man oft eine Verbes­se­rung der Hist­amin­in­to­le­ranz-bedingten Symptome beob­achten, da die für den Abbau des Hist­amins verant­wort­liche Diamin­oxi­dase auf ein Viel­fa­ches ansteigt. Dieser Anstieg schützt das unge­bo­rene Kind vor einem Hist­amin-Über­schuss.10

Du möch­test etwas mehr Unter­stüt­zung? Viel­leicht ist hier etwas für dich dabei! Und wenn du mich unter­stützen willst, dann freue ich mich sehr über einen Kaffee.

Quellen

  1. Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, et al. German guide­line for the manage­ment of adverse reac­tions to inge­sted hist­amine: Guide­line of the German Society for Aller­go­logy and Clinical Immu­no­logy (DGAKI), the German Society for Pediatric Aller­go­logy and Envi­ron­mental Medi­cine (GPA), the German Asso­cia­tion of Aller­go­lo­gists (AeDA), and the Swiss Society for Aller­go­logy and Immu­no­logy (SGAI). Allergo J Int. 2017;26(2):72–79. doi:10.1007/s40629-017‑0011‑5
  2. Maintz L, Novak N. Hist­amine and hist­amine into­le­rance. Am J Clin Nutr. 2007;85(5):1185–1196. doi:10.1093/ajcn/85.5.1185
  3. García-Martín E, Martínez C, Serrador M, et al. Diamine Oxidase rs10156191 and rs2052129 Vari­ants Are Asso­ciated With the Risk for Migraine. Headache: The Journal of Head and Face Pain. 2015;55(2):276–286. doi:https://doi.org/10.1111/head.12493
  4. Agúndez JAG, Luengo A, Herráez O, et al. Nonsyn­ony­mous poly­mor­phisms of hist­amine-meta­bo­li­sing enzymes in pati­ents with Parkinson’s disease. Neuro­mole­cular Med. 2008;10(1):10–16. doi:10.1007/s12017-007‑8017‑7
  5. Meza-Veláz­quez R, López-Márquez F, Espi­nosa-Padilla S, Rivera-Guillen M, Ávila-Hernández J, Rosales-González M. Asso­cia­tion of diamine oxidase and hist­amine N‑methyltransferase poly­mor­phisms with presence of migraine in a group of Mexican mothers of children with aller­gies. Neuro­logia. 2017;32(8):500–507. doi:10.1016/j.nrl.2016.02.025
  6. Kim S‑H, Kang Y‑M, Cho B‑Y, Ye Y‑M, Hur G, Park H‑S. Hist­amine N‑methyltransferase 939A>G poly­mor­phism affects mRNA stabi­lity in pati­ents with acetyl­sa­li­cylic acid-into­le­rant chronic urti­caria. Allergy. 2009;64:213–221. doi:10.1111/j.1398–9995.2008.01795.x
  7. Parejo PA, García-Agúndez JA, Cornejo-Garcia JA, et al. Asso­cia­tion Study of Func­tional Poly­mor­phisms in Genes Involved in Hist­amine Home­o­stasis and Multiple NSAID–Triggered Urti­caria and/or Angio­e­dema and Anaphy­laxis in Pati­ents without Pre-Exis­ting Chronic Urti­caria (MNSAID-UA). Journal of Allergy and Clinical Immu­no­logy. 2013;131(2):AB169. doi:10.1016/j.jaci.2012.12.1266
  8. Schink M, Konturek PC, Tietz E, et al. Micro­bial patterns in pati­ents with hist­amine into­le­rance. J Physiol Phar­macol. 2018;69(4). doi:10.26402/jpp.2018.4.09
  9. Raithel M, Hagel A, Albrecht H, et al. Excre­tion of urinary hist­amine and N‑tele methyl­hist­amine in pati­ents with gastro­in­tes­tinal food allergy compared to non-allergic controls during an unrestricted diet and a hypo­al­ler­genic diet. BMC Gastro­en­te­ro­logy. 2015;15(1):41. doi:10.1186/s12876-015‑0268‑4
  10. Maintz L, Benfadal S, Allam J‑P, Hage­mann T, Fimmers R, Novak N. Evidence for a reduced hist­amine degra­dation capa­city in a subgroup of pati­ents with atopic eczema. J Allergy Clin Immunol. 2006;117(5):1106–1112. doi:10.1016/j.jaci.2005.11.041
www | + posts

Heil­prak­ti­kerin in eigener Praxis, Hypnose­the­ra­peutin, Besit­zerin eines verrückten Immun­sys­tems mit auto­im­munen Spezi­al­ef­fekten, die sie nach ihrem Studium mit eben­sol­cher Hingabe medi­zi­ni­sche anstatt wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­cher Abhand­lungen wälzen lassen. Wenn ihre Gelenke und Mast­zellen es zulassen: begeis­terte Heimwerkerin.

Immunoloco unterstützen

immunoloco möchte Betroffenen kostenlos gute und hilfreiche Informationen rund um ein verrücktes Immunsystem bieten. Du findest das gut? Dann unterstütze immunoloco und meine Arbeit doch gerne durch eine kleine Spende. 

Schreibe einen Kommentar