10 Tipps, damit Elemen­tar­diät besser schmeckt

1.    Ist eine Komplett­um­stel­lung auf Elemen­tar­diät notwendig?

Wofür braucht man die Elemen­tar­diät und kann man viel­leicht einen Modus finden, indem man nur eine oder zwei Mahl­zeiten ersetzt? Diese Frage ist mit dem betreu­enden Arzt bzw. der behan­delnden Ärztin zu klären: Sollte man die Elemen­tar­diät für Morbus Crohn einsetzen, so wäre das sicher­lich in der Anfangs­phase keine gute Idee, aber später ist das viel­leicht ein Tool zum Remissionserhalt.

So zeigte eine Studie, dass die länger­fris­tige Remis­si­ons­rate bei Morbus Chron, also die Phase, in der die Erkran­kung zur Ruhe gekommen ist, bei einer parti­ellen Elemen­tar­diät deut­lich höher ist als im Vergleich zu komplett normaler Kost. Bei der parti­ellen Elemen­tar­diät wurden die Hälfte der benö­tigten Kalo­rien täglich durch Elemen­tar­diät konsu­miert und der Rest des Ener­gie­be­darfs durfte aus den präfe­rierten Nahrungs­mit­teln gedeckt werden.[1]

Für Pati­enten mit aller­gi­schen, eosi­­no­­philen- oder mast­zell­be­dingten Erkran­kungen reicht es nach einer ersten Beru­hi­gungs­phase, bezie­hungs­weise in den aller­meisten Fällen von Beginn an aus, nur einen Teil der Mahl­zeiten zu ersetzen und dem Darm bzw. der Darm­schleim­haut dadurch ab und an Ruhe­pausen zu gönnen.[2] Dies muss indi­vi­duell mit dem betreu­enden  medi­zi­ni­schen Fach­per­sonal abge­stimmt werden.

2.    Nicht den ganzen „Astro­­n­au­­ten­­kost-Berg“ auf einmal sehen.

Als ich das erste Mal mehrere große Packungen meiner Elemen­tar­diät in der Apotheke abge­holt habe, habe ich mir zu Beginn jeder Mahl­zeit lebhaft vor Augen geführt, dass das viel­leicht für lange Zeit die einzige Form von Nahrung ist, die ich zu mir nehme. Eine Stimme in meinem Kopf sagte: „Es wird immer schlimmer, denn sonst wäre ich ja nicht darauf angewiesen…“

Das sind verständ­liche Gedanken, aber sie helfen nicht. Keiner weiß, was morgen ist – sich den Rest seines Lebens auf Elemen­tar­diät vorzu­stellen, ist keine gute Idee!

3.    Führe dir dein Ziel vor Augen

Wenn du eine Elemen­tar­diät zusammen mit einem Behandler bzw. einer Thera­peutin wegen einer hart­nä­ckigen Dünn­darm­fehl­be­sied­lung, kurz DDFB, durch­führst, dann geht es dir viel­leicht kurz­fristig nicht gut, aber in spätes­tens zwei bis drei Wochen ist zumin­dest der Elemen­­tar­­diät-Spuk vorbei. Danach geht es dir wahr­schein­lich besser als vorher – also, wenn das kein Ansporn ist?

Schreib dir dein Ziel auf eine Kartei­karte und pinn sie an den Kühl­schrank, hake jeden Tag einen weiteren Tag ab, den du geschafft hast – das alles hilft, schlech­tere Phasen zu überstehen.

Für Pati­enten, für die diese Kost­form fürs Erste eine dauer­haf­tere Lösung ist, können Thera­peuten meist zu Beginn keinen zeit­li­chen Rahmen abste­cken und das schmerzt. Versuch dir dennoch vorzu­stellen, was die Elemen­tar­diät für posi­tive Effekte auf deine Gesund­heit haben kann. Viel­leicht gehst du dadurch in Remis­sion oder nimmst wieder zu?

Bevor ich meine halb­wegs verträg­liche Elemen­tar­diät gefunden hatte, waren Phasen mit starker Immun­ak­ti­vität und/oder Colitis davon geprägt, dass ich massiv an Gewicht verloren habe. Es ging mir schlecht und ich baute schnell ab. Die Elemen­tar­diät war und ist eine gute Möglich­keit Nähr­stoffe zu bekommen, die der Körper braucht.

4.    Geschmack ist King!

Wenn du die Chance hast und es verträgst, expe­ri­men­tiere – nimm das, was am besten schmeckt und du am besten verträgst und lege dir gleich einen Vorrat an verschie­denen Geschmacks­rich­tungen an, weil es hilft, der Eintö­nig­keit vorzubeugen.

5.    Werde kreativ – die Mischung macht’s!

Viel­leicht mischt du zwei Geschmacks­sorten zusammen und schaust was raus­kommt? Ansonsten habe ich teil­weise Aromen verwendet, die man sonst in Kuchen oder Gebäck einrührt– diese haben auch keine Ballast­stoffe und manche sind relativ gut verträg­lich. So ein Tropfen Vanille oder Zitro­nen­aroma in den Shake hat mir manchmal meinen Tag gerettet.

Von Einmi­schungen wie Kakao oder Carob etc. würde ich aller­dings die Finger lassen, da sie dafür sorgen, dass die Elemen­tar­diät wegen der zusätz­li­chen Ballast­stoffe nicht mehr komplett in den oberen Darm­ab­schnitten aufge­nommen werden kann. Dies macht dann even­tuell den gewünschten Effekt zunichte.

6.    Salz kann helfen.

Elemen­tar­diäten enthalten oftmals eher wenig Salz. Das ist teil­weise proble­ma­tisch für eine Pati­en­ten­gruppe mit eher nied­rigem Blut­druck oder Erkran­kungen des auto­nomen Nerven­sys­tems, welches unter anderem Blut­druck und Puls steuert. Bei Betrof­fenen mit solchen Symptomen oder Erkran­kungen kann die Umstel­lung auf eine salz­är­mere Elemen­tar­diät die Symptome noch verstärken.

Dieser Beitrag behan­delt ein Gesund­heits­thema. Es ist wichtig, dass du deine Symptome durch medi­zi­ni­sches Fach­per­sonal unter­su­chen und behan­deln lässt. Dieser Artikel kann keine Betreuung und Bera­tung durch Fach­per­sonal ersetzen und möchte es auch nicht.

7.    Keep it cool – eisge­kühlt ist alles besser!

Auf den Beipack­zet­teln oder Verpa­ckungen der meisten Elemen­tar­diäten steht darauf, dass man sie „am besten kühl genießen“ soll und dem kann ich nur zustimmen. Mir persön­lich hat es auch geholfen, wenn ich Eiswürfel in die Shakes geworfen habe – man kann drauf herum­kauen und diese lutschen. Das bring noch einmal andere Konsis­tenzen ins Spiel, denn immer nur die gleiche Textur „zu essen“, ist auf Dauer auch sehr eintönig.

Wenn mir im Winter sehr kalt war, und ich die Elemen­tar­diät nicht kalt trinken wollte, dann habe ich die Elemen­tar­diät leicht ange­wärmt oder wärmeres Wasser zum Trinken dazu gestellt. Das kann gegen das Frös­tel­ge­fühl helfen, was sich nach dem Konsu­mieren eines kalten Getränks bei empfind­li­chen Personen einstellen kann.

Viel­leicht hat so eine kalte Elemen­tar­diät aber auch posi­tive Seiten: Kälte­ex­po­si­tion ist eine Möglich­keit, das para­sym­pa­thi­sche Nerven­system anzu­regen und dadurch einen entspan­nenden Effekt auf das auto­nome Nerven­system auszu­üben, was sich z.B. in einer erhöhten Herz­ra­ten­va­ria­bi­lität ausdrü­cken kann.

Auch das Herun­ter­kühlen des Magens mittels einer 6 Grad Celsius kalten Flüs­sig­keit im Vergleich zu einer 37 Grad Celsius warmen Flüs­sig­keit löste zumin­dest bei gesunden Menschen eine Verschie­bung des Nerven­sys­tems hin zu vermehrter para­sym­pa­thi­scher Akti­vität aus. Die kalte Flüs­sig­keit sorgte für eine Verlang­sa­mung des Herz­schlages und erhöhter Herz­ra­ten­va­ria­bi­lität.[3]

8.    Textur der Elemen­tar­diät verändern

Manchmal kann es helfen, wenn man die Elemen­tar­diät verdünnt. Einer­seits hilft das gegen einen “zu künst­li­chen” Geschmack und damit bei manchen gegen die damit verbun­dene Übel­keit. Ande­rer­seits  kann das Verdünnen gerade bei Auspro­bier­phase bei Allergie- und Mast­zell­pa­ti­enten sinn­voll sein, die sehr leicht reagieren.

Der Vorteil ist, dass in der verdünnten Lösung die poten­tiell unver­träg­li­chen Stoffe in gerin­gerer Konzen­tra­tion vorliegen und somit even­tuell Reak­tionen geringer ausfallen. Bei Into­le­ranzen bleibt man damit zudem eher unter der Reak­ti­ons­schwelle. Auch ein lang­sames Einschlei­chen kann hier hilf­reich sein.

Man sollte aber wirk­lich darauf achten, dass man damit genü­gend Kalo­rien und Nähr­stoffe zu sich nimmt und das mit geschultem Fach­per­sonal besprechen.

9.    Ausrei­chend Elemen­tar­diät zu sich nehmen

Siehe Punkt 8: Ausrei­chende Kalo­rien­zu­fuhr. Ich habe volles Mitge­fühl mit dir, wenn du auf Elemen­tar­diät ange­wiesen bist und die Astro­nau­ten­kost nicht gerne zu dir nimmst. Aber es hilft niemandem, wenn du massiv vom Fleisch fällst und noch schwä­cher wirst, oder? Daher nimm ausrei­chend Elemen­tar­diät zu dir, wiege dich regel­mäßig und wenn du unge­wollt abnimmst, besprich das bitte mit medi­zi­ni­schem Fachpersonal!

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10. Blut­zu­cker­pro­bleme berücksichtigen

Damit die Elemen­tar­diät in den oberen Darm­ab­schnitten aufge­nommen werden kann und keine bzw. kaum Verdau­ungs­ar­beit erfor­dern, liegen die Kohlen­hy­drate in der Elemen­tar­diät in Form von einfa­chen Zucker­ver­bin­dungen vor, die schnell ins Blut aufge­nommen werden. Soge­nannte Einfach­zu­cker, im Fach­jargon Monosac­cha­ride genannt, sind zum Beispiel Glukose, Fruk­tose oder Galaktose.

Diese Verbin­dungen stellen schnell Energie bereit und führen daher auch zu einem stär­keren Blut­zu­cker­an­stieg. Nicht umsonst wird norma­ler­weise die Zufuhr von Kohlen­hy­draten in komplexer Form mit Ballast­stoffen empfohlen, damit der Blut­zu­cker lang­samer ansteigt. Komplexe Verbin­dungen müssen zuerst einmal aufge­spalten werden und werden daher nicht sofort in Gänze aufgenommen.

Die Aufnahme vieler Einfach­zu­cker und Kohlen­hy­drate in Form der Elemen­tar­diät kann gerade zu Beginn zu einer Blut­­zu­­cker-Achter­­bahn und aufgrund dessen zu wesent­lich mehr Fatigue führen. Dies ist leider einer der Neben­wir­kungen dieser Kostform.

Was meiner Erfah­rung nach dagegen helfen kann, sind „feste“ Mahl­zeiten – im Sinne von festen Uhrzeiten, lang­sames Trinken (nein, nicht runter­stürzen!) und leichte Bewe­gung (Spazier­gänge etc., was der Zustand erlaubt).

Es hilft, wenn man sich feste „Astro­­n­au­­ten­­kost-Konsu­m­­zeiten“ setzt, denn sonst kommt man in den unguten Zustand, dass man ausge­hun­gert ist, weil man die ganze Zeit diese „leckere“ Mahl­zeit vor sich herge­schoben hat und dann den Shake zu schnell trinkt.

Ende von Lied ist meist, dass einem danach übel ist oder man sich im ulti­ma­tiven Kohlen­hy­­drat-Koma befindet. Auch blöd: Man stellt abends fest, dass man noch nicht auf seine Mindest­menge an Kalo­rien gekommen ist und dann muss man gleich zwei Mahl­zeiten auf einmal trinken bzw. essen.

Bonus Tipp von einem Betrof­fenen: Unter­schied­liche Produkte ausprobieren!

Nachdem mich ein eben­falls Betrof­fener drauf aufmerksam gemacht hat, dass ich einen der eher offen­sicht­li­chen Punkte vergessen habe, möchte ich diesen guten Tipp hier noch nach­träg­lich einpflegen: “Wenn eine [Elemen­tar­diät] nicht geht oder nicht schmeckt, probiere mehrere verschie­dene aus. Schmeiß daher nicht gleich die Flinte ins Korn, wenn du mit deiner ersten Elemen­tar­diät viel­leicht keine guten Erfah­rungen gemacht hast.” Dem kann ich nur zustimmen — danke für den Tipp!

Das sind meine persön­li­chen Tipps aus mitt­ler­weile jahre­langer Erfah­rung mit verschie­densten Elemen­tar­diäten. Was hat dir noch geholfen?  Schreib es mir doch gerne in den Kommen­taren und teil es mit anderen Betroffenen.

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Refe­renzen

[1] Takagi S, Utsuno­miya K, Kuri­yama S, et al. Effec­ti­ve­ness of an ‘half elemental diet’ as main­ten­ance therapy for Crohn’s disease: a rando­­mized-controlled trial. Alimen­tary Phar­ma­co­logy & Thera­peu­tics. 2006;24(9):1333–1340. doi:10.1111/j.1365–2036.2006.03120.x

[2] Hette­rich U, Raithel M, Taumann W. VAEM – Ernäh­rungum­stel­lung, hypo­all­er­gene Formu­lar­diäten. http://vaem.eu/1395/4‑hypoallergene-formulardiaeten/ [abge­rufen am: 11.07.2020]

[3] Kazadi LC, Flet­cher J, Barrow PA. Gastric cooling and menthol cause an increase in cardiac para­sym­pa­thetic effe­rent acti­vity in healthy adult human volun­teers. Exp Physiol. 2018;103(10):1302–1308. doi:10.1113/EP087058

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Pulver erscheinen ökolo­gisch wohl sinn­voller, da weniger Verpa­ckungs­müll und auch die Dosie­rung kann indi­vi­du­eller ange­passt werden. Aber unter­wegs kann natür­lich eine bereits fix und fertige Indus­trie­t­rink­nah­rung im Kunst­off­fläs­chen schon einfa­cher im Hand­ling sein. Aber es kommt natür­lich auch darauf an, welche Nahrung verordnet wird und auch welche über­haupt indi­vi­duell vertragen wird.

    Antworten
    • Lisa Dostmann
      26. April 2021 20:52

      Hallo,
      genau — Elemen­tar­diäten gibt es in Dosen als auch schon abge­füllt in i.d.R. Plastik-Trink­fla­schen. Nur leider legen das die Hersteller fest und dann muss man als Patient auf das zurück­greifen, was verträg­lich und für die Erkran­kung verordnet wurde. 

      Aber auch im Super­markt fällt oft bei “normalen” Lebens­mit­teln sehr viel Verpa­ckungs­müll an, wenn man sich anschaut, wie z.B. teil­weise Obst und Gemüse extra verschweißt und einge­packt sind. Es wäre wahr­schein­lich gene­rell sinn­voll, sich anzu­schauen, wie der ökolo­gi­sche Fußab­druck der jewei­ligen Verpa­ckungs­ma­te­rialen verklei­nert werden könnte, aber das würde hier zu weit führen 😉

      Viele Grüße
      Lisa

      Antworten
  • Liebe Lisa.
    Danke für die wert­vollen Tipps.
    Es tut gut von einer Betrof­fenen beraten zu werden, denn damit fühlt man sich nicht ganz so allein und hilflos. Nicht gleich aufgeben, das hört man oft. Und manchmal kann man das nicht mehr hören.
    Aber dir nehme ich den Satz ab(!!!) und fühle mich nicht mehr so schlecht, wenn ich doch mal verzweifle…
    LG Erika

    Antworten
    • Lisa Dostmann
      27. April 2021 17:32

      Liebe Erika,
      freut mich, wenn der Artikel gut ankommt. Auch wenn es manchmal schwer­fällt — einfach weiter­ma­chen! Etwas Anderes bliebt einem eh nicht übrig… 🙂

      Einen schönen Tag noch,
      Lisa

      Antworten

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